Prevention section

International Section of the ISSA for Electricity, Gas and Water

The mission of the Section for Electricity, Gas and Water is the protection of workers against electrical accidents and occupational diseases due to electricity and ionizing radiation.

Vision Zero website

Risk assessment. Digitalisation. Knowledge transfer.

International Seminar of the ISSA
within the framework of Forum Prävention
21. Mai 2019 | Vienna, Austria

XI SISE International Symposium on Electrical Safety

ISSA prevention event
This is a scientific event that aims to improve the quality of work of professionals in the electricity sector.
16.–18. Mai 2019 | Gran Hotel Cochabamba, Bolivia

Functional Safety and Validation

Machine and System Safety; Electricity, Gas and Water
21.–22. März 2019 | Joinville, Brazil

Functional Safety and Validation

Machine and System Safety; Electricity, Gas and Water
18.–19. März 2019 | São Paulo, Brazil

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International Section of the ISSA on Electricity, Gas and Water
Gustav-Heinemann Ufer 130
DE - 50968 Köln
Deutschland
T: +49 221 3778 6007
F: +49 221 3778 196007

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Erfassung und Nutzung von Arbeitsschutz- und Gesundheitsdaten optimieren

Eines der 17 Ziele nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen besteht in der Förderung eines inklusiven und nachhaltigen Wirtschaftswachstums, von Vollbeschäftigung und menschenwürdiger Arbeit für alle. Eine große Herausforderung liegt dabei in der Schaffung von Arbeitsplätzen hoher Qualität. Als wichtiges Qualitätsmaß gilt der Schutz der Beschäftigten zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Hierfür müssen zunächst Daten über Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten gesammelt, sortiert und analysiert werden.

Die Mitgliedsinstitutionen der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) können deshalb in strategischer Zusammenarbeit mit den zuständigen nationalen Behörden, den Arbeitgeber- und Arbeitnehmerorganisationen und den Unternehmen, die auf die Entwicklung von Big-Data-Software und analytischen Instrumenten spezialisiert sind, global einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung des Ziels nachhaltiger Entwicklung Nr. 8 leisten.

Die Kampagne der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) zum Welttag für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit 2017 konzentriert sich darauf, dass die Länder ihre Fähigkeit zur Sammlung und Nutzung zuverlässiger Arbeitsschutzdaten dringend verbessern müssen.

Die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) unterstützt diese Initiative mit ihrer globalen Gemeinschaft von Mitgliedsinstitutionen der sozialen Sicherheit und insbesondere über die Systeme, die einen Versicherungsschutz gegen Arbeitsrisiken anbieten.

In den Leitlinien der IVSS zur arbeitsplatzbezogenen Prävention sind Anforderungen für Arbeitsunfallversicherungssysteme beschrieben, wonach diese unter anderem über ein angemessenes und zuverlässiges Berichtssystem für Arbeitsunfälle und Verdachtsfälle von Berufskrankheiten verfügen müssen. Die Aufzeichnung und Sammlung solcher Daten in einer besonderen Datenbank ist eine unablässige Voraussetzung für eine erfolgreiche Datenanalyse und die fortgesetzte Sammlung weiterer Daten.

Jedes Jahr sterben schätzungsweise 2,3 Millionen Menschen an arbeitsbedingten Ursachen. Ein genaues Wissen über Arbeitsunfälle ist entscheidend, wenn Arbeitsschutzstrategien und Präventionskampagnen erfolgreich sein sollen, damit die schwerwiegenden Verluste von Menschenleben und die enormen damit einhergehenden wirtschaftlichen Einbußen verringert werden können. Organisationen der sozialen Sicherheit spielen bei der Sammlung und Analyse von Arbeitsschutzdaten eine wichtige Rolle, und sie leisten wichtige Beiträge zu den nationalen Präventionsprogrammen. Die IVSS setzt sich dafür ein, diesen wichtigen Beitrag der sozialen Sicherheit zu Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden bei der Arbeit gemäß den Zielen der Vereinten Nationen weiter auszubauen.

Hans-Horst Konkolewsky, Generalsekretär der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit

Auf praktischer Ebene führen Versicherer von Arbeitsrisiken Akten über diejenigen Fälle, für die sie einen Ausgleich zahlen müssen. Diese Akten können Informationen über die versicherten Personen, die Unfallursachen, die Namen von Unternehmen und die Branchen enthalten, in denen die Unfälle oder Krankheiten aufgetreten sind. Ausgehend davon kann leicht die Häufigkeit tödlicher oder nicht tödlicher Arbeitsunfälle beispielsweise nach Geschlecht und Zivilstand ermittelt werden.

Nach einer entsprechenden Analyse kann die verantwortliche Institution gemäß den ermittelten Arbeitsrisiken gezielte Präventionsmaßnahmen ergreifen. Zudem können diese Präventionsmaßnahmen nachträglich durch den Vergleich von Längsschnittdaten nach Interventionen ausgewertet werden.

Um die Datensammlung und Datenanalyse für die nationalen Unfallstatistiken zu verbessern, sollte eine institutionelle Zusammenarbeit mit den zuständigen staatlichen Stellen (wie etwa der Arbeitsinspektion) und den Sozialpartnern stattfinden. In der Republik Korea zum Beispiel erstellt die Koreanische Agentur für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (KOSHA) ihre Arbeitsunfallstatistiken mit der Unterstützung der Koreanischen Anstalt für Arbeitsunfallversicherung und Wohlfahrt und des Ministeriums für Arbeit und Beschäftigung. Dank dieses gemeinsamen Ansatzes konnte auch die lückenlose Erfassung aller Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten verbessert werden.

In der Republik Korea wurden zwei Prozesse eingeführt, welche die Rohdatensammlung und die nachfolgende Erstellung statistischer Tabellen unterstützen: Ein Prozess betrifft die Erfassung von Arbeitsunfällen gemäß dem Koreanischen Ausgleichsgesetz, und der andere arbeitet mit Daten von Todesfällen und nicht tödlichen Unfällen mit mindestens drei Tagen Arbeitsausfall, die dem Ministerium für Arbeit und Beschäftigung gemeldet wurden. Die Statistiken gliedern sich nach Branche, Unternehmensgröße, Gebiet, Datum, Geschlecht, Alter, Arbeitsphase, verursachendem Material usw., so dass eine weitere Analyse der Daten möglich ist. Das Ministerium für Arbeit und Beschäftigung veröffentlicht seine Statistiken jährlich.

Wichtig ist, dass die Institutionen der sozialen Sicherheit anhand dieser Daten die risikobezogenen Beiträge berechnen können, die von den Versicherungsunternehmen zu zahlen sind. Dies geschieht durch die Verknüpfung des Versicherungsbeitrags der einzelnen Arbeitgeber mit der Wahrscheinlichkeit von Vorfällen am Arbeitsplatz (Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten). Bei dieser Berechnung von Wahrscheinlichkeiten werden Häufigkeit, Schwere und Kosten aller Versicherungsfälle in der Branche berücksichtigt, in welcher der Arbeitgeber tätig ist.

Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) sammelt umfassende Daten über Häufigkeit, Ursache und Auswirkungen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, anhand derer sodann die Strategien und Programme zur Risikoprävention und Rehabilitation entworfen werden. Die sehr detaillierten Arbeitsunfallstatistiken erlauben es der DGUV, die Präventionsmaßnahmen genau auf risikobehaftete Branchen, Berufe und Tätigkeiten auszurichten und so die Unfallzahlen und damit auch die Beiträge der Versicherungsunternehmen laufend zu senken, so dass 2016 ein Allzeittief erreicht werden konnte.

Joachim Breuer, Präsident der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit und Generaldirektor der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)

Entscheidend ist, die Arbeitgeber und Unternehmen dafür zu motivieren, sich im Bereich der Prävention proaktiv zu engagieren. Eine Möglichkeit, sie dafür zu gewinnen, bieten Anreizprogramme wie etwa risikoabhängige Beiträge sowie finanzielle oder auch nicht finanzielle Anreize. Der Schlüssel dabei ist, die Versicherungsprämien, die ein Arbeitgeber oder Unternehmen zahlt, direkt an dessen Ergebnisse beim Arbeits- und Gesundheitsschutz zu knüpfen. In einem Bonus-Malus-System zahlen Arbeitgeber oder Unternehmen mit Unfall- und Krankheitszahlen, die unter dem Durchschnitt liegen, geringere Prämien, während die Prämien von denjenigen mit Zahlen über dem Durchschnitt höher ausfallen.

Durch die Analyse der gesammelten Daten können die Hauptursachen von Arbeitsunfällen sowie die Gefahrstoffexpositionen ermittelt werden. Nach der korrekten Ermittlung werden gezielte Maßnahmen wie etwa Präventionskampagnen oder Gesundheitstests sowie langfristige Kontrolluntersuchungen (bei Substanzen, die Berufskrankheiten verursachen) eingeleitet.

Einige Institutionen führen zur Erfassung der Arbeitsrisiken eine umfassende Datenbank mit Arbeitshistorie, Expositionen am Arbeitsplatz und Ergebnissen medizinischer Untersuchungen der Versicherten, die für Präventions- und Kompensationszwecke verwendet werden.

Ansatz der INAIL zur Sammlung, Bearbeitung, Analyse und Nutzung von Daten

Die italienische Landesanstalt für Arbeitsunfallversicherung (INAIL) ist für die Arbeitssicherheits- und Gesundheitsbehörden ein wertvoller Partner. Sie verfügt über detaillierte Daten zu den versicherten Beschäftigten, einschließlich folgender Elemente:

  • Invaliditätsdaten mit Informationen über die verbleibenden Fertigkeiten und die Arbeitsfähigkeit von Menschen mit erfasster Behinderung, die zur Wiedereingliederung ins Arbeitsleben verwendet werden können;
  • Statistiken über Branche und Beruf der Personen mit Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten;
  • Längsschnittdaten mit nationalen und regionalen Statistiken über Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten von 1951 bis heute;
  • Daten von Eurostat über die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union, die zeigen, welche Ausgleichszahlungen für tödliche und nicht tödliche Arbeitsunfälle (außer Verkehrsunfälle) geleistet wurden.

Die Landesanstalt für Arbeitsunfallversicherung betreibt ein umfassendes Informationssystem für die Prävention am Arbeitsplatz, das eigene Daten, Daten des Arbeitsministeriums, des Gesundheitsministeriums und des Innenministeriums sowie Daten der autonomen italienischen Provinzen zusammenträgt.

Die Landesanstalt für Arbeitsunfallversicherung kompiliert die Daten in statistischen Datensätzen, die durch Metadaten und zusätzliche aggregierte Daten sowie Verwaltungsdaten ergänzt werden, so etwa über die zuständigen Niederlassungen und regionalen Geschäftsstellen der INAIL. Diese Daten werden regelmäßig veröffentlicht und sind öffentlich zugänglich.

Die Daten werden sodann für die Erstellung nationaler Programme zur Risikoprävention am Arbeitsplatz und zur Gesundheitsprävention eingesetzt, insbesondere zur Identifizierung von Risikobereichen und zur Festlegung von Prioritäten sowie zur Beurteilung der Wirkung der Programme. Dank der großen Menge an Informationen in den Datenbanken kann die Landesanstalt für Arbeitsunfallversicherung wirksame Präventionstätigkeiten in die Wege leiten. Dies geschieht durch Informationen, Ausbildung, Unterstützung und Beratung, die Förderung einer Präventionskultur und auch finanzielle Beihilfen für Unternehmen, die in Sicherheit investieren und deshalb geringere Prämien zu zahlen haben.

Was die Republik Korea betrifft, so verfügt die Koreanische Agentur für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit über eine der größten Datenbanken im Bereich Arbeitsschutz und diese kann auf verschiedene Arten genutzt werden. Die Koreanische Agentur für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit erstellt mit den Daten Statistiken, die für Entscheide über Präventionstätigkeiten wie Präventionsstrategien für Risikobranchen oder die Vorbereitung auf zukünftige Trends eingesetzt werden. Die Koreanische Forschungsanstalt für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit (OSHRI) gewinnt nicht nur Informationen aus jährlichen Unfallstatistiken, sondern sie analysiert auch Daten aus einer Umfrage über Arbeitsbedingungen, die 130 Punkte umfasst wie etwa Familiensituation, Größe der Belegschaft, Arbeitszeiten, Arbeitsumfeld, Arbeitsmuster, Arbeitsgeschwindigkeit, Aufgabenorganisation, Aus- und Weiterbildung, Kommunikation, Gewaltexposition, Diskriminierung, Gesundheitszustand, Zufriedenheit bei der Arbeit, akademischer Abschluss, Einkommen usw. Die Daten werden verwendet, um Arbeitsplätze der Zukunft zu entwerfen, Strategien zu formulieren sowie neue Untersuchungen im Bereich Arbeitsschutz zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen einzuleiten.

Bei der Datensammlung geht es vor allem darum, unsere Strategien auszurichten, damit die Ressourcen optimal genutzt werden können. Die Daten sollten deshalb mit den bestehenden Erkenntnissen über Unfallverhütung verknüpft werden und dann den Beschäftigten dienen, die Risiken am Arbeitsplatz ausgesetzt sind.

Jong-Kyu Kwon, Direktor der Koreanischen Agentur für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Wenn Arbeitsschutzdaten mit den verfügbaren wirtschaftlichen und demografischen Daten verknüpft werden, können diese erweiterten Datensätze zur Kontrolle zusätzlicher Programmelemente eingesetzt werden wie etwa für Steuererleichterungen für Unternehmen und Beschäftigte, die sich eine Schutzausrüstung kaufen, für Arbeitsplatzinspektionen durch die zuständigen Gesundheits-, Arbeits- oder Hygienebehörden und für Ersatzansprüche der Arbeitnehmer. So können auch genauere Vorhersagen für Unfälle und Krankheiten erstellt werden.

Anhand von Big Data kann vorhergesagt werden, wo die Unfallwahrscheinlichkeit demnächst hoch sein wird. Die deutsche Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BGETEM) setzt deshalb als strategisches Präventionsinstrument auf Data Mining. Wissenschaftler der BGETEM erklären, dass es mit verschiedenen Vorhersagemodellen und dem Vergleich realer Unfalldaten mit Daten aus anderen Quellen möglich ist, Unternehmen mit hohen Unfallrisiken zu identifizieren.

Dank den Ergebnissen aus dem Data-Mining können die Technischen Überwacher und die Präventionsberater der BGETEM enger mit den Unternehmen zusammenarbeiten und so ihre Präventionstätigkeiten verbessern. Durch die Erkennung von Datenmustern lassen sich Unternehmen mit erhöhtem Unfallrisiko für eine Inspektion auswählen, um so zukünftige Unfälle zu vermeiden.

Dieser Ansatz der Verhütung von Unfällen und Krankheiten bei der Arbeit wird wahrscheinlich bald Standard sein. Dank des technologischen Fortschritts mit schnelleren, kleineren und kostengünstigeren Prozessoren und Speichereinheiten sind auch die Computerprogramme viel schneller geworden, und die Unternehmen können kognitive Algorithmen auf Big Data anwenden. So etwa nutzen Ärzte bereits handelsübliche Programme, um Behandlungsmöglichkeiten zu bestimmen, zu bewerten und miteinander zu vergleichen. Diese Software kann Tausende Patientenakten in kürzester Zeit analysieren und für jeden Fall eine geeignete Unterstützungsmaßnahme vorschlagen. Entsprechende Technologien können jedoch auch zur Vorhersage zukünftiger Gesundheitsrisiken eingesetzt werden.

In der Versicherungsbranche wird kognitives Computing bereits heute eingesetzt, und auch Arbeitsschutzexperten können diese Systeme nutzen, um beispielsweise Variablen wie Arbeitsbedingungen, Ausbildung, Wohnort, soziale und familiäre Unterstützungsmechanismen miteinander abzugleichen und so die Wirksamkeit faktengestützter Präventions-, Ausgleichs- und Rehabilitationsmaßnahmen zu verbessern.

Diese Entwicklungen werden aller Wahrscheinlichkeit nach die Gestaltung und Rolle der sozialen Sicherheit und der Gesundheitssysteme in Zukunft stark prägen.


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