International Social Security Review International Social Security Review

Die International Social Security Review ist die bedeutendste internationale Vierteljahreszeitschrift der Welt auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit.

Sie enthält Artikel führender Experten der sozialen Sicherheit mit internationalen Vergleichen und ausführlichen Studien über fachspezifische Fragen sowie Analysen der Systeme der sozialen Sicherheit in verschiedenen Ländern.

Den Mitgliedern der IVSS steht in Meine IVSS ein kostenloser Zugang zur aktuellen Ausgabe der Review auf Englisch sowie dem elektronischen Archiv früherer Ausgaben (ab 1967 für auf Englisch veröffentlichte Artikel, 2007-2013 für auf Deutsch, Französisch und Spanisch veröffentlichte) Artikel zur Verfügung.

Ab dem Jahr 2014 erscheint die International Social Security Review nur noch auf Englisch. Zusammenfassungen aller neuen Artikel sind in acht Sprachen verfügbar: Deutsch, Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch.

Informationen und Abonnemente

Auf der vom internationalen Verlag Wiley betriebenen Plattform für Online-Veröffentlichungen haben Abonnenten Zugang zum Volltext aller Artikel der International Social Security Review , die seit 1967 veröffentlicht wurden.

Es besteht die Möglichkeit, eine Musterausgabe der International Social Security Review sowie die Inhaltsverzeichnisse und Zusammenfassungen aller Ausgaben in der Wiley Online Library zu konsultieren. Weitere Informationen darüber, wie Sie ohne Abonnement Zugang zum Volltext einzelner Artikel erhalten, finden Sie hier.

Zusammenfassungen der Artikel (Aktuelle Ausgabe: Oktober-Dezember 2017, Band 70, Nummer 4)

Katja Hujo, Christina Behrendt und Roddy McKinnon

Einleitung: Überlegungen zum Menschenrecht auf soziale Sicherheit

Laut der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen von 1948 ist das Recht auf soziale Sicherheit ein unveräußerliches Menschenrecht. Oft wird davon ausgegangen, dass die Verwirklichung dieses Menschenrechts allein von politischem Willen und verwaltungstechnischer Fähigkeit abhängt. So gesehen lässt sich die allmähliche Umsetzung des Menschenrechts auf soziale Sicherheit als Ergebnis eines angemessen ausgestatteten politischen und bürokratischen Prozesses betrachten. Diese Sichtweise ist jedoch eindeutig unangemessen. Gewöhnlich sind Bürokratien so gestaltet, dass sie den Bedürfnissen aller entsprechen, auf der Basis gemeinsamer Abläufe und festgelegter gemeinsamer Ergebnisvorgaben für den „typischen“ Fall. Solchen Ansätzen ermangelt es jedoch häufig an der nötigen Flexibilität und Ressourcen, um zwischen Einzelpersonen zu unterscheiden und deren Unterschiedlichkeit und Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Beim Erfüllen des internationalen Engagements zur schrittweisen Umsetzung der universellen Deckung durch die soziale Sicherheit sind die Verwaltungen der sozialen Sicherheit zentrale Akteure. So wichtig ihre Rolle auch sein mag, wenn bei deren Erfüllung die Unterschiede zwischen den Menschen nicht beachtet werden, wird das volle Erreichen dessen, was vom Menschenrecht auf soziale Sicherheit bezweckt wird, gefährdet. Daher soll diese Sonderausgabe helfen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass das Ziel der universellen Deckung unbedingt auch die individuellen Bedürfnisse jeder einzelnen Person beachten und auf sie eingehen muss.


Laura Alfers, Francie Lund und Rachel Moussié

Sozialschutzansätze für Erwerbstätige im informellen Sektor: Verknüpfung des produktivistischen und des menschenrechtsbasierten Ansatzes

Immer breitere Kreise erkennen die Zunahme der informellen Beschäftigung im Süden und Norden unseres Planeten an. Die Arbeit im informellen Sektor ist meist prekär und schlecht bezahlt, und die Arbeitnehmer haben wenig oder keinen Zugang zum Sozialschutz. Bisweilen wird angeregt, dass ein Ansatz wichtig wäre, der weg vom Produktivismus – der Vorstellung, dass Arbeit Zugang zum Sozialschutz gibt – und hin zu einem universellen Ansatz auf Menschenrechtsbasis führt. Im vorliegenden Beitrag wird jedoch argumentiert, dass ein großer und wachsender informeller Sektor die Aufgabe bestimmter zentraler produktivistischer Ideen nicht rechtfertigt. Zu diesen zentralen Konzepten, die nicht aufgegeben werden sollen, zählt der Fokus, den dieser Ansatz auf die Verbindung zwischen Arbeitnehmern und Kapital und die Wichtigkeit sozialer Dienstleistungen im Sozialschutzdiskurs legt, der derzeit von Geldleistungen beherrscht wird. Wichtig ist auch, dass die produktivistischen Ideen den wirtschaftlichen Beitrag informeller Erwerbstätiger als Mittel betont, mit dem ein auf Menschenrechten basierendes Argument zur Ausweitung des Schutzes des Arbeitsplatzes auf alle Arbeitnehmer unabhängig vom Beschäftigungsstatus ergänzt werden kann. Insgesamt könnte der Gegensatz, der bisweilen zwischen menschenrechtsbasierten Ansätzen und produktivistischen (oder „instrumentalistischen“) Argumenten geltend gemacht wird, vielleicht nicht immer so eindeutig sein, wie manche meinen.


Catalina Devandas Aguilar

Sozialschutz und Personen mit Behinderung

Sozialschutz ist eine wesentliche Voraussetzung für die soziale und wirtschaftliche Entwicklung für alle, aber insbesondere für jene, die Armut und soziale Ausgrenzung erfahren. Sozialschutzprogrammen kann eine entscheidende Rolle bei der Linderung und Verhinderung von Armut und Bedürftigkeit zukommen, um das Wohlergehen der Menschen zu gewährleisten. Sie können auch die Produktivität, Beschäftigungsmöglichkeiten und wirtschaftliche Entwicklung der Menschen verbessern, indem sie Gelegenheiten für höhere Einkommen schaffen. Außerdem kann Sozialschutz die soziale Integration und Beteiligung fördern, indem er den wirksamen Zugang zu Lebensmitteln, Gesundheitsversorgung und unterstützenden Dienstleistungen sichert. So können gut ausgestaltete Sozialschutzprogramme direkt die Inanspruchnahme von Rechten durch Behinderte verbessern. Bedauerlicherweise haben die traditionellen Ansätze der Behindertenhilfe das Gegenteil gefördert, indem sie im Sozialschutz Wohltätigkeits- und medizinische Lösungen aufbauten und förderten. Daher begünstigten viele nationale Sozialschutzsysteme viel zu lange Paternalismus, Abhängigkeit, Abtrennung und Institutionalisierung von Personen mit Behinderungen und begrenzten so deren Möglichkeiten, unabhängig in ihren Gemeinwesen zu leben. Das Übereinkommen der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen stellt sich diesen Ansichten entgegen. Es fördert stattdessen Sozialschutzsysteme, die Behinderte integrieren und aktives Bürgerengagement, soziale Integration und Beteiligung am Gemeinwesen erleichtern. Das Übereinkommen fordert die Unterzeichnerstaaten auf, sicherzustellen, dass Personen mit Behinderungen den gleichen Zugang zu den üblichen Sozialschutzprogrammen und -diensten sowie zu besonderen Programmen und Dienstleistungen für behinderungsbezogene Bedürfnisse und für Ausgaben wie unterstützende Dienstleistungen erhalten. Vor diesem Hintergrund will der vorliegende Artikel diskutieren, warum und wie Staaten und andere Beteiligte in Einklang mit der UN-Behindertenrechtskonvention die Errichtung von Sozialschutzsystemen mit Integration Behinderter gewährleisten sollten.


Valeria Esquivel

Der auf Rechten basierende Ansatz für Pflegemaßnahmen: Erfahrungen aus Lateinamerika

Pflegemaßnahmen stehen in Lateinamerika weit oben auf der ordnungspolitischen Agenda. Dies lässt sich zum Teil durch die strukturellen Bedingungen der Region erklären, die typisch für Länder mit mittleren Einkommen sind, wie die steigende Lebenserwartung und die relativ hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen, aber auch die Politisierung von Pflege, die daher rührt, dass die ungleiche Verteilung von Pflegeleistungen ein wichtiger Faktor für Ungleichheit zwischen Geschlechtern und bei Einkommen ist. Frauenbewegungen haben Pflegemaßnahmen oben auf ihre eigenen Agenden gesetzt und die Staaten haben unterschiedliche Fortschritte bei der Umsetzung von Pflegemaßnahmen erzielt, die durch eine starke Agenda für Geschlechtergleichheit unterstützt werden, welche sich wiederum im Rahmen eines auf Rechten basierenden Sozialschutzansatzes situiert. Der vorliegende Artikel stellt die Pflegesysteme von Uruguay und Costa Rica als Beispiele lateinamerikanischer Ansätze von auf Rechten basierenden Pflegemaßnahmen vor. Er erklärt kurz ihre politische und institutionelle Entwicklung und legt die wichtigsten Merkmale ihres Rechtsrahmens dar. Er befasst sich insbesondere mit den Akteuren, die sich mobilisiert haben, um sie zu unterstützen und letztendlich zu gestalten. Er identifiziert auch die Dimensionen, die von anderen Ländern hervorgehoben werden, welche diese Beispiele gerade replizieren und anpassen, um ihre eigenen Pflegesysteme mit einem auf Rechten basierenden Ansatz für Pflegemaßnahmen aufzubauen. Der Artikel schließt mit einem Fokus auf Herausforderungen bei der Umsetzung.


Gabriele Koehler

Politische Grundlagen der rechtsbasierten transformativen Sozialpolitik in Ländern Süd- und Südostasiens

Der zentrale normative Grundsatz von transformativer Sozialpolitik ist die Basierung auf Rechten. Dies bedeutet, dass sie universell sein soll, als Recht, das kategorisch allen Personen in einer bestimmten Lage oder allen Bürgern gewährt wird oder in ihrer radikalsten Form für alle Einwohner unabhängig von der Staatsangehörigkeit gelten soll. Um transformativ zu sein, muss die Sozialpolitik auch die grundlegenden Ursachen der Ungleichheit und sozialen Ungerechtigkeit angehen. In den jüngsten Jahren waren in einer Reihe von Ländern in Südostasien und Südasien Ansätze zu beobachten, die in die Richtung universeller, auf Rechten basierender Sozialpolitik deuteten. Sie weisen darauf hin, dass eine „soziale Wende“ stattgefunden hat – eine Verlagerung von Ideen und der Politik, die nun sozialen Fragen Vorrang geben. In den untersuchten Fällen (Indien, Myanmar, Nepal, Pakistan und Thailand) wurden die Trends zu einem universellen, auf Rechten basierenden Ansatz sozialer Dienstleistungen und sozialer Transfers in jedem Fall von der Politik getragen und waren das Ergebnis von Veränderungen der Regierung – die sozialen Wenden waren das Ergebnis von Protesten. Heute erfahren diese Länder politische Rückschläge, ihre demokratischen Prozesse und die Zivilgesellschaft leiden unter schweren Angriffen. Der vorliegende Artikel will zwei Punkte klarstellen. Erstens kommen ein auf Rechte basierender transformativer Ansatz und eine soziale Wende nicht automatisch: Sie sind stets Ergebnis von Protesten, entweder von Wählern oder ihren Interessengruppen, oder des Wettbewerbs zwischen politischen Parteien. Zweitens können erworbene Rechte und Fortschritte in Richtung transformativer Sozialpolitik wieder rückgängig gemacht werden. Im aktuellen globalen Umfeld muss die transformative und auf Rechten basierende Sozialpolitik verteidigt werden und für sie gekämpft werden.


Magdalena Sepúlveda Carmona

Gewährleistung von Integration und Bekämpfung der Diskriminierung in Sozialschutzprogrammen: die Rolle der Menschenrechtsstandards

In den jüngsten Jahren wurden die Sozialschutzprogramme weltweit signifikant ausgeweitet. Und doch ermangelt noch eine große Zahl von armen und bedürftigen Menschen, darunter Kinder, Frauen, ethnische Minderheiten und Behinderte der Deckung, insbesondere in Ländern mit niedrigeren Einkommen. Der vorliegende Artikel argumentiert, dass ein besseres Verständnis vom Grundsatz der Gleichheit und der Nichtdiskriminierung, wie sie im internationalen Menschenrecht definiert sind, Politiker und politische Entscheidungsträger dazu anleiten können, stärker integrierende Sozialschutzsysteme zu entwerfen und umzusetzen. Dieser Grundsatz muss auch gemäß Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung und den Standards der sozialen Sicherheit laut Internationaler Arbeitsorganisation eingehalten werden. Der vorliegende Artikel analysiert zuerst den Geltungsbereich und Inhalt des Rechtsgrundsatzes der Gleichheit und Nichtdiskriminierung und berücksichtigt die gewöhnlich zur Bewertung ihrer Einhaltung herangezogenen Standards. Sodann wendet er diese Standards als Analyseinstrumente an, um zu beurteilen, wie und wann Diskriminierung bei der Umsetzung von nichtbeitragspflichtigen Sozialschutzprogrammen auftreten kann. Schließlich untersucht er noch die Herausforderungen, denen Fachkräfte des Sozialschutzes begegnen, wenn sie den Grundsatz der Gleichheit und Nichtdiskriminierung in den Sozialschutzprogrammen anwenden.


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