International Social Security Review International Social Security Review

Die International Social Security Review ist die bedeutendste internationale Vierteljahreszeitschrift der Welt auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit.

Sie enthält Artikel führender Experten der sozialen Sicherheit mit internationalen Vergleichen und ausführlichen Studien über fachspezifische Fragen sowie Analysen der Systeme der sozialen Sicherheit in verschiedenen Ländern.

Den Mitgliedern der IVSS steht in Meine IVSS ein kostenloser Zugang zur aktuellen Ausgabe der Review auf Englisch sowie dem elektronischen Archiv früherer Ausgaben (ab 1967 für auf Englisch veröffentlichte Artikel, 2007-2013 für auf Deutsch, Französisch und Spanisch veröffentlichte) Artikel zur Verfügung.

Ab dem Jahr 2014 erscheint die International Social Security Review nur noch auf Englisch. Zusammenfassungen aller neuen Artikel sind in acht Sprachen verfügbar: Deutsch, Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Portugiesisch, Russisch und Spanisch.

Informationen und Abonnemente

Auf der vom internationalen Verlag Wiley betriebenen Plattform für Online-Veröffentlichungen haben Abonnenten Zugang zum Volltext aller Artikel der International Social Security Review , die seit 1967 veröffentlicht wurden.

Es besteht die Möglichkeit, eine Musterausgabe der International Social Security Review sowie die Inhaltsverzeichnisse und Zusammenfassungen aller Ausgaben in der Wiley Online Library zu konsultieren. Weitere Informationen darüber, wie Sie ohne Abonnement Zugang zum Volltext einzelner Artikel erhalten, finden Sie hier.

Zusammenfassungen der Artikel (Aktuelle Ausgabe: Juli-September 2018, Band 71, Nummer 4)

Sondernummer: „Arbeit statt Sozialhilfe“ durch Dienstleistungen auf der Straße in Europa

Rik van Berkel, Flemming Larsen und Dorte Caswell

Einführung: „Arbeit statt Sozialhilfe“-Strategien im Kundendienst in verschiedenen europäischen Kontexten

Dieses Themenheft liefert einen Beitrag zu den europäischen Forschungsarbeiten über die Rolle des Kundendiensts bei der Umsetzung von Strategien „Arbeit statt Sozialhilfe“ (welfare-to-work). Verschiedene Faktoren deuten darauf hin, wie wichtig solche Untersuchungen sind. Das Ziel, Erwerbslose wieder zu Arbeit und Disziplin anzuhalten, scheint in vielen Ländern auf den ersten Blick ähnlich gestaltet zu sein. Ein genauerer Blick auf diese Strategien und ihre Entwicklung in verschiedenen Kontexten zeigt jedoch zahlreiche und interessante Unterschiede. Zwar weisen alle Länder in einem bestimmten Maß Elemente von Zwangs- und Disziplinarmaßnahmen auf, aber sie setzen auch unterschiedlich stark auf die Auffrischung von Fähigkeiten, Weiterbildung und andere Unterstützungsarten für die Arbeitsmarktbeteiligung. Andererseits werden im Rahmen dieser Strategien Technologien sowohl zur Erfassung der Personen als auch zu deren Förderung eingesetzt. Außerdem hat sich die Zielgruppe dieser Strategien nach und nach vergrößert und schließt mehr schwer zu vermittelnde Erwerbslose ein, so dass die Gruppe heterogener geworden ist. Und letztlich wurde ein starker politischer Glaube an die positive Wirkung von Strafmaßnahmen registriert. Untersuchungen bestätigen diese positive Wirkung bei Kunden mit einer hohen Beschäftigungsfähigkeit und begrenzten Problemen außerhalb der Erwerbslosigkeit, doch bei schwer zu vermittelnden Kunden mit größeren Problemen ist die Datenlage eher dürftig. Der Einsatz von Strafmaßnahmen oder anderen Disziplinar- oder Zwangsmaßnahmen im Kundendienst hat eine Debatte ausgelöst und Widerstände hervorgerufen. Um unser Verständnis der Strategien zur Wiedereingliederung von Sozialhilfeempfängern zu vertiefen, müssen wir die Schnittstelle genauer betrachten, an der diese Strategien für die Zielgruppe in die Realität umgesetzt werden.


Colin Lindsay, Sarah Pearson, Elaine Batty, Anne Marie Cullen und Will Eadson

Gemeinsame Verwaltung und soziale Innovation bei Arbeitsvermittlungsdiensten auf der Straße: Lehren aus Dienstleistungen für Alleinerziehende in Schottland

Das Vereinigte Königreich wird – als Beispiel eines liberalen Sozialstaats – als Vorreiter der Aktivierungspolitik „Arbeit hat Vorrang“ (work-first) charakterisiert, wobei ein hoher Druck auf Wiedereingliederung ausgeübt und standardisierte Vermittlungsdienste angeboten werden, mit denen die Menschen so schnell wie möglich aus der Sozialhilfe wieder in Arbeit gebracht werden sollen. Trotz der Ausweitung der Sozialhilfebedingungen auf gefährdete Gruppen wie Alleinerziehende haben sich die staatlichen Vermittlungsprogramme „Arbeit hat Vorrang“ bei der Unterstützung der am meisten Gefährdeten als unwirksam erwiesen, um sie aus der Armut oder auch nur in den Arbeitsmarkt zu führen. Im Artikel wird dargelegt, dass alternative Ansätze mit gemeinsamer Verwaltung und sozialer Innovation das Potential haben, erfolgreicher abzuschneiden. Dabei wird auf eine Studie Bezug genommen, die lokale Dienstleistungen für Alleinerziehende untersucht, welche in fünf Ortschaften Schottlands von Partnerschaften zwischen dem Nonprofit-Sektor und dem öffentlichen Sektor angeboten werden. In den Untersuchungen wurde ein Zusammenhang gefunden zwischen der Leitung und Verwaltung dieser Programme (geprägt durch gemeinsame Verwaltung und kollaborative Partnerschaftsarbeit) und den gemeinsam erbrachten Dienstleistungen auf der Straße, die Nutzen im Bereich soziale Innovation und Beschäftigungsfähigkeit bringen. Die Grundlage der Untersuchung bilden 90 Befragungen von Alleinerziehenden und über 100 Befragungen von Erbringern und Streetworkern. Ziel war es, Faktoren zu ermitteln, die positive soziale Entwicklungen und Vermittlungsergebnisse unterstützen. Der Artikel beschreibt abschließend mögliche Lehren für die Steuerung und Erbringung zukünftiger Dienstleistungen für gefährdete Gruppen.


Delia Pisoni

Aktivierung der am stärksten benachteiligten Jugendlichen in der Schweiz: administrativ zu riskant, politisch zu heikel?

Um die Chancen der Integration junger Menschen in die Arbeitsmärkte der heutigen europäischen Wissensgesellschaften zu erhöhen, setzen viele politische Systeme auf eine Investition in das Humankapital der Jugend. Da man davon ausgeht, dass Berufslehrsysteme den Übergang von der Schule in die Arbeitswelt vereinfachen, scheint dies ein besonders vielversprechender Weg zu sein. Untersuchungen zeigten jedoch, dass die am stärksten benachteiligten Mitglieder der Gesellschaft von der Sozialpolitik oft nicht erreicht werden. Ziel dieses Artikels ist es, die Gründe und Mechanismen dieses Phänomens mit dem Namen Matthäus-Effekt anhand einer einzigen eingebetteten Fallstudie eines Berufsbildungs- und Ausbildungsprogramms für benachteiligte junge Menschen in der Schweiz zu beleuchten. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die Kundendienstmitarbeiter oft Praktiken des Rosinenpickens anwenden, um die strikten Beurteilungskriterien einhalten zu können. Die Verteilung von Haushaltsmitteln gemäß einer politisch-administrativen Logik fördert solche Praktiken, die angewendet werden, um solide Ergebnisse zu erzielen, damit wiederum die politische und damit finanzielle Unterstützung erhalten bleibt.


Katarina Hollertz, Kerstin Jacobsson und Ida Seing

Organisatorische Steuerung von Aktivierungsmaßnahmen: Transparenz als Organisationsideal in einer schwedischen Sozialagentur

Das Schwedische Sozialversicherungsamt (SSIA – Försäkringskassan) und seine Kunden-dienstmitarbeiter spielen bei der Umsetzung von Aktivierungsmaßnahmen eine zentrale Rolle. Der Artikel analysiert anhand ethnographischer Untersuchungen in den lokalen Dienststellen, wie das Transparenzideal als integraler Bestandteil der organisatorischen Steuerung der Aktivierungsmaßnahmen im Alltag der sozialpolitischen Verwaltungsarbeit umgesetzt wird. Die Analyse zeigt, welch zentrale Rolle das Transparenzideal bei der Ausrichtung der Kundendienstmitarbeiter auf die Vorgaben der Agentur spielt. Doch auch wenn das Transparenzideal für die interne Organisation der SSIA bestimmend ist, so ist es – wie die Analyse aufzeigt – im Kundenkontakt und in den anderen Beziehungen nach außen viel weniger sichtbar.


Deborah Rice, Vanesa Fuertes und Lara Monticelli

Bringen individualisierte Beschäftigungspläne, was sie versprechen? Ergebnisse aus drei europäischen Städten

Individualisierte Beschäftigungspläne sind seit der Einführung der Europäischen Beschäftigungsstrategie 1997 ein wichtiges Ziel der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten. Dennoch gibt es nur wenige empirische Untersuchungen über die Erbringung individualisierter Leistungen für Erwerbslose. In diesem Artikel wird untersucht, wie die lokalen Arbeitsagenturen in drei europäischen Städten Beratung und Dienstleistungen auf die individuellen Bedürfnisse der Arbeitssuchenden abstimmen. Ein Ergebnis lautet, dass die beschränkten Dienstleistungsbudgets und die unterentwickelten organisatorischen Schnittstellen mit den sozialen Dienstanbietern dazu führen, dass die Individualisierung der Dienstleistungen in der Praxis eher beschränkt ausfällt, was für benachteiligte Arbeitssuchende ungünstig ist. Die individualisierte Beratung ist hingegen verbreiteter, zumindest bei ausgewählten Zielgruppen. Die organisatorischen Kapazitäten für eine individualisierte Problemerfassung und Beratung schwanken jedoch beträchtlich in den „individualisierten Welten“ Europas.


Eric Breit, Knut Fossestøl und Eirin Pedersen

Eine Wissenshierarchie in Arbeitsvermittlungs- und Sozialhilfedienstleistungen? Evidenzbasiertes und praxisbasiertes Wissen in innovativen Kundendiensten

Obwohl die politischen Entscheidungsträger und Wissenschaftler gemeinsamen Innovationen und dem Wissensaufbau von Kundendienst, Arbeitnehmern und anderen Akteuren wie Bürgern und Wissenschaftlern immer mehr Aufmerksamkeit widmen, gibt es kaum empirische Untersuchungen über die (unterschiedliche) Einschätzung der Beteiligten, welches Wissen eigentlich aufgebaut werden sollte. In diesem Artikel geht es um diese Wissensbeurteilung anhand einer Vergleichsstudie in zwei lokalen Innovationsprojekten, die von der Norwegischen Arbeitsmarkt- und Wohlfahrtsbehörde in einem vierjährigen Programm zur Dienstleistungsinnovation durchgeführt wurde. Obwohl sie dasselbe Ziel verfolgten, entwickelten die beiden Projekte sehr unterschiedliche Wissensarten: Das eine befasste sich mit praxisbasiertem Wissen und das andere mit evidenzbasiertem Wissen. Im Artikel wird gezeigt, dass erstere Wissensform strittig ist und schwer in die Praxis umgesetzt werden kann, wohingegen letztere wenige (oder gar keine) Herausforderungen stellte und in relativ großem Umfang umgesetzt wurde. Aus den zwei Projekten kann auf eine mögliche Wissenshierarchie in Arbeitsvermittlungs- und Sozialhilfedienstleistungen geschlossen werden, wobei evidenzbasierte Wissensformen und Methoden als gerechtfertigter und angemessener angesehen werden als Wissensformen, die in der Hierarchie tiefer stehen. Zum Schluss folgt eine Diskussion der Gründe und Folgen dieser offensichtlichen Wissenshierarchie für die Kundendienste von Arbeitsvermittlungs- und Sozialhilfedienstleistungen.


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