Verankerung der Geschlechtergleichheit in der sozialen Sicherheit

Ungleichheiten im Lebensverlauf beeinträchtigen den Zugang zu sozialer Sicherheit und damit das Niveau der Leistungen. Frauen sind von solchen Ungleichheiten besonders stark betroffen. Auf einem europäischen Seminar zu diesem Thema erörterten die Internationale Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS) und ihre Mitglieder jüngst, was für Maßnahmen ergriffen werden können, um die Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern zu verringern. Die IVSS verpflichtete sich zudem, darauf hinzuarbeiten, in ihren professionellen Leitlinien für soziale Sicherheit eine Gender-Perspektive zu verankern.

Ungleichheiten im Lebensverlauf wurden als Teil der Zehn globalen Herausforderungen für die soziale Sicherheit identifiziert. Das Gefälle zwischen den Geschlechtern bei den Gehältern und bei den Renten sind gute Beispiele dafür. Solche Unterschiede sind hauptsächlich die Folge von Teilzeitarbeit, nach Geschlechtern getrennten Arbeitsmärkten, geringeren Löhnen und unbezahlter Arbeit und Pflege. Frauen neigen außerdem dazu, stärker unter einem fehlenden Gleichgewicht zwischen Beruf und Privatleben zu leiden. Dies kann zu mehr Stress und damit verbundenen Beeinträchtigungen führen, was sich wiederum negativ auf ihre Beteiligung am Arbeitsmarkt und ihren Zugang zu sozialer Sicherheit auswirkt.

Um diese Fragen anzugehen, organisierte die IVSS vor Kurzem ein Seminar über Gender-Mainstreaming in Reykjavik, gemeinsam mit der Verwaltung für Sozialversicherung und dem Ministerium für Wohlfahrt in Island. Bei den Diskussionen wurden Arbeitsmarktmaßnahmen als Schlüsselfaktor genannt, um eine gleichberechtigtere Beteiligung und Bezahlung von Frauen zu ermöglichen. Dies könnte in Form einer Norm über gleiche Bezahlung erfolgen, wie sie vor Kurzem in Island per Gesetz eingeführt wurde, oder durch mehr Flexibilität am Arbeitsplatz für eine bessere Work-Life-Balance. Eine gerechtere Rollenverteilung zwischen Männern und Frauen für ein Gleichgewicht zwischen beruflicher Karriere und Familienleben sollte ebenfalls gefördert werden.

Die Rolle der sozialen Sicherheit

Der sozialen Sicherheit kommt eine wichtige Rolle zu, um die Gleichstellung zwischen Mann und Frau zu unterstützen. Dies betonte auch IVSS-Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky während dieses Seminars und jüngst auf der Internationalen Arbeitskonferenz. In Rentensystemen können Umverteilungsmechanismen umgesetzt werden, um niedrigere Einkommen über das gesamte Arbeitsleben hinweg sowie unbezahlte Arbeit und Pflege durch Frauen zu kompensieren. Damit können angemessene Leistungen für Männer und Frauen garantiert und das Geschlechtergefälle bei den Renten gemindert werden. Nicht übertragbarer Elternurlaub für Mütter und Väter hat sich ebenfalls als guter Anreiz für Väter erwiesen, sich stärker an der Kinderbetreuung zu beteiligen. Dadurch verändert sich in der Folge die Wahrnehmung geschlechtsspezifischer Rollen.

Künstliche Intelligenz, Plattform- und Freelance-Arbeit sowie Zeitarbeitsverträge revolutionieren die Welt der Arbeit, und eine höhere Flexibilität könnte dabei die aktive Beteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt erleichtern. Dies kann jedoch auch eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen bedeuten, einschließlich im Hinblick auf die Anzahl Arbeitsstunden und die Höhe von Löhnen und Sozialleistungen. Daher ist es wesentlich, dass die politischen Entscheidungsträger nicht nur einen Rahmen und Anreize für die Schaffung zukünftiger Arbeitsplätze sicherstellen, sondern auch dafür sorgen, dass die Qualität der Arbeitsbedingungen und der Zugang zu sozialer Sicherheit gewährleistet sind.

Das IEN-Fachseminar über Gender-Mainstreaming in der sozialen Sicherheit war ein wichtiger Schritt zur Bewältigung der Herausforderung des Geschlechtergefälles in der sozialen Sicherheit. Zukünftige Arbeiten werden sich insbesondere mit der Verankerung einer Gender- und Gleichstellungsperspektive in den IVSS-Leitlinien für die Verwaltung der sozialen Sicherheit befassen.


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