Geschichte der IVSS

90 Jahre Exzellenz in der sozialen Sicherheit: 1927–2017

Die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit feiert 2017, neun Jahrzehnte nach ihrer Gründung, einen wichtigen Geburtstag

1927 sind die Leiter von 17 Krankenkassen und Hilfsvereinen mit insgesamt rund 20 Millionen Versicherten auf Initiative der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) und ihres ersten Generaldirektors, Albert Thomas, an der 10. Internationalen Arbeitskonferenz zusammengekommen.

Albert Thomas und andere Delegierte vereinte die Vision einer sozialen Sicherheit für alle, die auf internationalen Übereinkommen, einer soliden Politik und einer wirksamen Verwaltung beruht. Die Gründungsversammlung der Internationalen Zentralstelle von Verbänden der Krankenkassen und Hilfsvereine (Conférence Internationale de la Mutualité et des Assurances Sociales, CIMAS) fand noch im selben Jahr, im Oktober 1927, statt.

An der historischen Internationalen Arbeitskonferenz in Philadelphia wurde 1944 eine Resolution verabschiedet, in der die IAO aufgefordert wurde, die internationale Zusammenarbeit von Experten und Institutionen der sozialen Sicherheit im administrativen und technischen Bereich zu stärken, um so die soziale Sicherheit voranzubringen. Es ging vorranging darum, die Untersuchung gemeinsamer Schwierigkeiten bei der Umsetzung der sozialen Sicherheit zu fördern, und dies ist auch heute noch das Hauptziel der IVSS.

Die CIMAS erhielt 1947 einen neuen Namen und wurde zur Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit. Mit ihren Mitgliedern aus allen Zweigen der sozialen Sicherheit und aus allen Weltregionen hat sich die IVSS innerhalb von neun Jahrzehnten zu einer echt globalen Vereinigung entwickelt, die heute über 320 Mitglieder zählt, welche weltweit mehr als drei Milliarden Menschen Schutz bieten.

Angesichts der neuartigen und komplexen Herausforderungen, vor denen die Welt heute steht, ist das Engagement der IVSS für Zusammenarbeit und administrative Exzellenz in der sozialen Sicherheit weiterhin unerlässlich, um soziale Gerechtigkeit für alle zu erreichen.

1889

Unter Reichskanzler Bismarck wird Deutschland zum ersten Land, das ein umfassendes System der Einkommenssicherheit mit einer Versicherung für Alter, Arbeitsunfälle und Krankheit einführt.

1919

An der ersten Sitzung der Internationalen Arbeitskonferenz der IAO wird die erste internationale Arbeitskonvention über soziale Sicherheit verabschiedet.

4. Oktober 1927

Die Internationale Zentralstelle von Verbänden der Krankenkassen und Hilfsvereine (Conférence Internationale de la Mutualité et des Assurances Sociales, CIMAS) wird in Brüssel gegründet. Ihr Sekretariat ist in dem Neubau des Internationalen Arbeitsamtes in Genf eingerichtet.

„Die Internationale Zentralstelle von Verbänden der Krankenkassen und Hilfsvereine dient der internationalen Zusammenarbeit und Förderung der auf Verteidigung, Entwicklung und Vervollkommnung der Sozialversicherung und insbesondere der Krankenversicherung abzielenden Bestrebungen.“

Satzung der CIMAS, verabschiedet an der
ersten Generalversammlung
1927 in Brüssel

1935

US-Präsident Roosevelt erlässt den Social Security Act, der aus den Begriffen „soziale Versicherung“ und „wirtschaftliche Sicherheit“ einen neuen Begriff prägt.

1936

Die Zentralstelle erweitert ihre Aufnahmekriterien und nimmt auch Sozialversicherungsinstitutionen auf, die eine Invaliden-, Alters- oder Hinterbliebenenversicherung anbieten.

1938

Die Landeskasse für Sozialversicherung Perus wird als erste nicht europäische Institution in die CIMAS aufgenommen.

1941

In der Atlantik-Charta einigen sich US-Präsident Roosevelt und der britische Premierminister Churchill auf die Herbeiführung besserer Arbeitsbedingungen, wirtschaftlichen Fortschritts und sozialer Sicherheit für alle.

1942

Die britische Regierung führt das Beveridge-Modell ein, das nach seinem Hauptverfechter Lord Beveridge benannt ist und die Grundlage des ersten umfassenden Systems der sozialen Sicherheit bildet.

1944

In der Erklärung von Philadelphia wird der Auftrag der IAO zur Ausweitung der Maßnahmen der sozialen Sicherheit bestätigt, damit allen, die einen solchen Schutz benötigen, ein Grundeinkommen sowie eine umfassende medizinische Versorgung angeboten werden.

1947

Die CIMAS erhält einen neuen Namen und wird zur Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS).

1948

Das Recht auf soziale Sicherheit wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert.

1951

Die IVSS konzentriert sich auf die Entwicklung von Forschungsprojekten und fachlichen Tätigkeiten, ruft die ersten Fachausschüsse ins Leben und organisiert internationale Konferenzen.

1952

Die Internationale Arbeitskonferenz verabschiedet das Übereinkommen (über Mindestnormen) der sozialen Sicherheit, 1952 (Nr. 102), das Mindeststandards für sieben Zweige der sozialen Sicherheit festschreibt.

1958

Nach dem Beschluss, die regionalen Aktivitäten auszubauen, wächst die Mitgliederzahl der IVSS stark und Regionalbüros werden eröffnet.

1962

In Tunis wird die erste Regionalkonferenz veranstaltet, gefolgt von der ersten asiatischen Regionalkonferenz in Tokio.

1964

Die Europäische Ordnung der sozialen Sicherheit und ihr Protokoll – die wichtigsten Normungsinstrumente des Europarats im Bereich der sozialen Sicherheit – werden beschlossen.

1967

Die Zeitschrift der Vereinigung wird in Internationale Revue für soziale Sicherheit umbenannt, was ihre Stellung als maßgebende wissenschaftliche Veröffentlichung im Bereich der sozialen Sicherheit unterstreicht.

1976

Der Internationale Pakt über wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte, in dem das Recht von allen auf soziale Sicherheit, einschließlich auf Sozialversicherung, anerkannt ist, tritt in Kraft.

1977

Die IVSS feiert ihren 50. Geburtstag mit Mitgliedern aus erstmals über hundert Ländern.

1980

Die IVSS richtet eine Öffentliche Informationsstelle ein, die Wissen über die Verwaltung der sozialen Sicherheit sammelt und verbreitet.

1996

Die IVSS lanciert die Stockholmer Initiative, in der sich internationale Experten darauf verständigen, dass soziale Ziele und makroökonomische Anforderungen aufeinander abgestimmt werden müssen.

1998

Die IVSS startet ihre erste Website sowie eine Online-Datenbank, Soziale Sicherheit Weltweit.

1999

Die IVSS-Initiative wird lanciert, um den internationalen Dialog über die grundlegende Rolle der sozialen Sicherheit für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung zu fördern.

2000

In der EU-Charta der Grundrechte wird für alle Personen, die legal in der Europäischen Union ansässig sind oder sich aufhalten, ein Anspruch auf Leistungen der sozialen Sicherheit und soziale Dienstleistungen verankert.

2001

Die IAO lanciert eine globale Kampagne für soziale Sicherheit und eine Deckung für alle.

2007

In Moskau organisiert die IVSS das erste Weltforum für soziale Sicherheit, das von mehr als 1 150 Ministern, Entscheidungsträgern und Verwaltungsfachleuten aus 129 Ländern besucht wird.

2012

The ILO and ISSA sign a Memorandum of Understanding aimed at strengthening cooperation and to extend and promote social security worldwide

2012

IAO und IVSS unterzeichnen eine Absichtserklärung, mit der die Zusammenarbeit und der Ausbau der sozialen Sicherheit auf der ganzen Welt gefördert werden sollen.

2013

Die IVSS lanciert ihr innovatives Zentrum für Exzellenz in der Verwaltung der sozialen Sicherheit mit seinen internationalen fachlichen Leitlinien.

2015

In den Zielen nachhaltiger Entwicklung der Vereinten Nationen werden die Bedeutung des Sozialschutzes als Voraussetzung für nachhaltige Entwicklung und die Rolle national angemessener Sozialschutzsysteme für alle festgeschrieben.

„Ziel der Vereinigung ist es, durch internationale Zusammenarbeit, vor allem im fachlichen und verwaltungstechnischen Bereich, bei der Förderung und Entwicklung der sozialen Sicherheit in der ganzen Welt mitzuwirken, um die sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse der Bevölkerung auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit zu verbessern.“

Satzung der IVSS, geändert an der
32. Generalversammlung
2016 in Panama-Stadt

2017

Die IVSS startet ein neues Projekt zur Analyse der Auswirkungen der Digitalwirtschaft auf die soziale Sicherheit.


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