Internationaler Frauentag

Organisationen der sozialen Sicherheit zentral für Fortschritte bei Geschlechtergerechtigkeit

Internationaler Frauentag

Organisationen der sozialen Sicherheit zentral für Fortschritte bei Geschlechtergerechtigkeit

Interview mit Kristen Underwood, Generaldirektorin, Sekretariat für Senioren und Rentenpolitik, Ministerium für Beschäftigung und soziale Entwicklung, Kanada, zum Internationalen Frauentag am 8. März 2022.

Kristen Underwood portrait

Wie beurteilen Sie die Rolle der sozialen Sicherheit bei der Förderung von Geschlechtergerechtigkeit und Stärkung der Rechte von Frauen in der Gesellschaft?

Während meiner ganzen beruflichen Laufbahn im öffentlichen Dienst erfuhr ich, wie wichtig es ist, Systeme der sozialen Sicherheit auf dem Grundsatz der Gleichheit und Gerechtigkeit für alle Mitglieder der Gesellschaft zu errichten. Es muss Vorkehrungen gegen Diskriminierungen und für soziale Inklusion geben, um verwundbare Gruppen wie Frauen zu schützen. Die Verbesserung der Einkommenssicherheit und des Gesundheitsschutzes tragen zur Prävention und Verringerung von Armut und Ungleichheit und zur Förderung von sozialer Inklusion und Menschenwürde bei.

Ein zentraler Ansatz der Regierung von Kanada ist es, Geschlechterüberlegungen einzubeziehen, wenn Maßnahmen und Programme entwickelt werden, indem eine „geschlechterbezogene Analyse“ (Gender-Based Analysis) verwendet wird. Anhand dieses Analyseprozesses werden mögliche Auswirkungen von Regierungsmaßnahmen und -programmen auf Frauen beurteilt. Um weitere Fortschritte zu erzielen, wendet Kanada eine „geschlechterbezogene Analyse plus“ an, die zusätzliche Faktoren wie Alter, Bildung, Sprache, Region, Kultur, Einkommen, sexuelle Orientierung, beruflichen Status usw. berücksichtigt. Dies hilft politischen Entscheidungsträgern zu erkennen, dass die Erfahrung einer Person von einer Reihe von Faktoren beeinflusst wird und dass gleiche Chancen nicht unbedingt zu gleichen Resultaten führen. Eine solche Analyse sorgt für das Verständnis darüber, wie das Geschlecht und dessen Bezug zu Rasse, Ethnie, Kultur, Klasse, Alter, Behinderung und anderen Faktoren für verschiedene Menschen unterschiedliche Ergebnisse bringt.

Für die wirtschaftliche Ermächtigung von Frauen ist es wesentlich zu gewährleisten, dass Geschlechtergerechtigkeit ein zentrales Ziel ist und in die Entwicklungsprozesse der Politik integriert wird.

Haben Sie bei der Geschlechtergleichheit seit Beginn der Pandemie Veränderungen beobachtet, und welche Rolle hat in Ihren Augen die soziale Sicherheit gespielt, um die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie für Frauen zu verringern?

Die Coronapandemie hat bestehende Ungleichheiten verstärkt und weltweit zu beispiellosen Herausforderungen geführt. Frauen waren unverhältnismäßig stark durch Disruptionen in der Arbeitswelt betroffen und ihre Erwerbsbeteiligung sank auf den niedrigsten Stand seit dreißig Jahren. Auf Frauen entfiel ein Großteil der Arbeitskräfte in einigen der am schwersten getroffenen Branchen, sodass sie mehr Stellen einbüßten als Männer. Außerdem ist es bei Frauen wahrscheinlicher, dass sie prekärer oder Teilzeitbeschäftigung mit erhöhtem Risiko von Einkommenskürzungen nachgehen, und sie haben unverhältnismäßig viele unbezahlte Betreuungsrollen übernommen, was ihre Verdienst- und Sparmöglichkeiten beeinträchtigt. Unter den Senioren leben mehr ältere Freuen allein von niedrigen Einkommen, die sie durch höhere Risiken der wirtschaftlichen Unsicherheit gefährden.

Die soziale Sicherheit hat eine wesentliche Rolle bei der Verringerung der wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie für Frauen gespielt. Die Regierung Kanadas führte eine Reihe von Maßnahmen zur finanziellen Unterstützung ein, um den verwundbarsten Arbeitnehmenden zu helfen, die unter der Pandemie litten, darunter für Personen, die ihre Stelle verloren haben, krank wurden oder sich isolieren oder wegen Betreuungsverantwortung die Arbeit einstellen mussten. Kanadas staatliche Renten haben auch Schutzmaßnahmen für Personen getroffen, die ihre Stelle während der Pandemie verloren, sodass sie beim Renteneintritt keine Kürzung ihrer Rente erleiden.

Was ist Ihre Botschaft als weibliche Führungskraft einer großen Organisation der sozialen Sicherheit an die weltweite Gemeinschaft der sozialen Sicherheit zum Internationalen Frauentag?

Tag für Tag leisten Frauen ihren Beitrag zu sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Fortschritten in der Gesellschaft. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in allen Dimensionen und die Stärkung der Rechte von Frauen und Mädchen das wirksamste Mittel sind, um eine Welt mit mehr Frieden, Inklusion und Wohlstand zu schaffen. Organisationen der sozialen Sicherheit sind zentrale Player für Fortschritte bei Geschlechtergerechtigkeit.

Es ist offensichtlich, dass die Coronapandemie weltweit beispiellose Herausforderungen gebracht hat und es liegt ein langer Weg der sozialen und wirtschaftlichen Erholung vor uns. Heute ist es sogar noch wichtiger, Geschlechtergerechtigkeit anzustreben, da die Coronapandemie nachweislich Frauen stärker betroffen und die Geschlechterungleichheit vergrößert hat. Es ist wichtig, inklusionsfördernde Erholungspläne zu verabschieden, die wirtschaftliche und soziale Stabilität für alle vorsehen. Diversität steht im Zentrum künftiger wirtschaftlicher Erfolge. Wenn wir Maßnahmen treffen, um die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern, können wir die Barrieren beseitigen, die uns aufhalten, und eine Welt voller Möglichkeiten schaffen. Letztendlich kommt es allen zugute, wenn jeder und jede ihr volles Potenzial entfalten können.