Sozialrenten in Amerika: Jüngste Entwicklungen

Sozialrenten in Amerika: Jüngste Entwicklungen

Die Gewährleistung einer angemessenen Deckung durch die soziale Sicherheit für eine alternde Bevölkerung ist eine wichtige Priorität für die Regierungen und die weltweiten Mitglieder der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS). Die Sozialrente, auch Grundrente oder beitragsunabhängige Rente genannt, ergänzt die beitragsabhängigen Sozialversicherungssysteme, indem sie eine garantierte Einkommensquelle für Personen bietet, die durch andere Formen der sozialen Sicherheit nicht ausreichend geschützt sind. Auf diese Weise erweitern sie den allgemeinen Sozialschutz und können ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der Altersarmut, zur Förderung der sozialen Eingliederung und zur Abschwächung der Auswirkungen von Arbeitsmarktungleichheiten sein.

Die Gewährleistung einer angemessenen Deckung durch die soziale Sicherheit für eine alternde Bevölkerung ist eine wichtige Priorität für die Regierungen und die weltweiten Mitglieder der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS). Die Sozialrente, auch Grundrente oder beitragsunabhängige Rente genannt, ergänzt die beitragsabhängigen Sozialversicherungssysteme, indem sie eine garantierte Einkommensquelle für Personen bietet, die durch andere Formen der sozialen Sicherheit nicht ausreichend geschützt sind. Auf diese Weise erweitern sie den allgemeinen Sozialschutz und können ein wirksames Instrument zur Bekämpfung der Altersarmut, zur Förderung der sozialen Eingliederung und zur Abschwächung der Auswirkungen von Arbeitsmarktungleichheiten sein.

Institutionen der sozialen Sicherheit haben weltweit Sozialrenten eingeführt, wobei sie in den letzten Jahrzehnten besonders in Amerika weit verbreitet waren. Dieser Artikel beleuchtet die jüngsten sich auf die Sozialrenten in Chile, Ecuador, Jamaika und Mexiko auswirkenden politischen Reformen und gibt einen Überblick über die Erhöhung der Sozialrenten in der Region.

Der Kontext

Die Bevölkerungsalterung ist ein globales Phänomen, das in Amerika besonders ausgeprägt ist. 2022 lebten in Lateinamerika 88,6 Millionen Menschen im Alter von 60 Jahren oder älter, was 13,4 Prozent der Gesamtbevölkerung entspricht – eine Zahl, die bis 2030 voraussichtlich 16,5 Prozent erreichen wird (CEPAL, 2022). In Nordamerika zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. In den Vereinigten Staaten war im Jahrzehnt 2010 bis 2020 der größte Bevölkerungsanstieg in der Altersgruppe von 65 Jahren oder älter zu verzeichnen, sowohl in absoluten als auch in relativen Zahlen (U.S. Census Bureau, 2023), und in Kanada machten die Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter im Jahr 2021 fast ein Fünftel aller Kanadier aus (19,0 Prozent), gegenüber 16,9 Prozent im Jahr 2016 (Statistics Canada, 2022).

Altersarmut und Einkommensunsicherheit, die vielen Regierungen in Amerika bereits Sorgen bereiten, werden angesichts der zunehmenden Bevölkerungsalterung weiterhin die Aufmerksamkeit der politischen Entscheidungsträger verlangen. Informalität, Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt und Veränderungen in den Beschäftigungsmustern haben dazu geführt, dass viele Menschen das Rentenalter erreichen, ohne Zugang zu einer angemessenen beitragsfinanzierten Rente oder Altersvorsorge zu haben. Jüngsten Daten zufolge erhalten in Lateinamerika nur 51,9 Prozent der über 65-Jährigen eine Rente und 34,5 Prozent haben überhaupt kein Einkommen, weder arbeits- noch rentenbezogen (IAO, 2022).

Um den Bedürfnissen einer alternden Bevölkerung nach Einkommenssicherheit gerecht zu werden, haben viele Regierungen in der Region Reformen zur Schließung der Rentenversicherungslücke durchgeführt. Zusätzlich zu den Bemühungen, die Deckung zu verbessern und garantierte Mindestbeträge in beitragsabhängigen Systemen bereitzustellen, haben sie Sozialrenten eingeführt, die Leistungen unabhängig von der Beitragshistorie erbringen (IVSS, 2021). Bei solchen Programmen handelt es sich in der Regel um universelle Leistungen, die die gesamte oder fast die gesamte Bevölkerung abdecken, um rentengeprüfte Leistungen – die alle diejenigen erreichen, die keine beitragsabhängige Rente beziehen – oder um armutsorientierte Programme, die sich an diejenigen richten, die unter eine bestimmte Einkommensgrenze fallen. Auf diese Weise ergänzen sie die beitragsabhängigen Säulen der Sozialversicherungssysteme (siehe nachstehendes Schaubild 1).

Schaubild 1: Sozialrenten innerhalb eines stilisierten mehrsäuligen Rentensystems

Schaubild 1

Quelle: Autor, basierend auf IAO (2018).

Die in der Regel aus allgemeinen Einnahmen finanzierten Sozialrenten können die Armut verringern und die Ungleichheit reduzieren, indem sie Personen, die im Alter nicht über ein ausreichendes Einkommen verfügen (entweder weil sie während ihres Arbeitslebens nicht vollständig in eine formelle Beschäftigung integriert waren oder weil sie aus anderen Gründen nicht am Erwerbsleben teilnehmen konnten), einen Mindestlebensstandard sichern. Die Regierungen in Amerika haben ein breites Spektrum an Sozialrentenprogrammen eingeführt, wie in Tabelle 1 dargestellt (siehe unten).

Tabelle 1. Sozialrenten im Alter in Amerika, ab dem 1. Januar 2023
Land Programmname Universell einkommens- oder rentenabhängig Mindestalter
Argentinien Universelle Rente für ältere Personen (Pensión Universal para el Adulto Mayor)   65
Beitragsunabhängiges Rentenprogramm (Programa de Pensiones no Contributivas)   70
Bahamas Beitragsunabhängige Altersrente (Old-age Non-contributory Pension)   65
Barbados Beitragsunabhängige Altersrente (Non-contributory Old-age Pension)   67
Belize Beitragsunabhängiges Rentenprogramm (Non-contributory Pension Programme)   67 (Männer);
65 (Frauen)
Bermuda Beitragsunabhängige Rente (Non-contributory Pension)   65
Bolivien Universelle Altersrente Renta Dignidad   60
Brasilien Kontinuierliche Leistungsprogramme (Benefício de Prestação Continuada)      65
Chile Garantierte universelle Rente (Pensión Garantizada Universal) 1   65
Costa Rica Beitragsunabhängiges System für Grundrenten (Régimen no contributivo de pensiones por monto básico)   65
Ecuador Altersrente Mis Mejores Años   65
El Salvador Altersrente Nuestros Mayores Derechos   2 70
Guatemala Programm für wirtschaftliche Unterstützung älterer Erwachsener (Aporte Económico del Adulto Mayor)   65
Guyana Altersrente (universell)   65
Jamaica Sozialrentenprogramm   75
Kanada Old Age Security Pension 1   65
Kolumbien Programm Colombia Mayor   59 (Männer);
54 (Frauen)
Kuba Sozialhilfesystem (Régimen de Asistencia Social)   65 (men);
60 (women)
Mexiko Sozialrente für ältere Menschen (Pensión para el Bienestar de las Personas Adultas Mayores)   65
Panama 120 a los 65, spezielles Geldtransferprogramm für ältere Menschen   65
Paraguay Unterhaltszahlungen für in Armut lebende ältere Menschen (Pensión Alimentaria para Adultos Mayores en Situación de Pobreza)   65
Peru National Solidarity Assistance Programme Pensión 65 (Programa Nacional de Asistencia Solidaria “Pensión 65”)   65
St. Kitts und Nevis Beitragsunabhängige Assistance Pension   62
Suriname Pauschale Altersrente (Flat rate Old-age Pension)   60
Trinidad und Tobago Seniorenrente (vormals Altersrente)   65
Uruguay Beitragsunabhängige Altersrente (Pensiones no contributivas por vejez e invalidez)   65 oder 70, je nach Bedarf
Venezuela Altersrente Gran Misión en Amor Mayor   60 (Männer); 55 (Frauen)
Vereinigte Staaten von Amerika Zusätzliche Einkommensbeihilfen (Supplemental Security Income)   65
Quelle: IVSS-Länderprofile Amerikas Ausgabe 2023 (IVSS, erscheint demnächst) und CEPAL (2022)

Erläuterungen:

1 Diese Programme sind wohlstandsabhängig, d. h. die Bedürftigkeitsprüfung wird nur dazu eingesetzt, um Leistungen für die vergleichsweise Wohlhabenden auszuschließen oder zu begrenzen. In diesen Systemen haben Gruppen mit höherem Einkommen entweder a) keinen Anspruch auf die Leistung oder b) sie müssen einen Abzug oder eine "Rückforderung" der Leistung in Abhängigkeit vom Einkommen oder einem anderen Bedürftigkeitsindikator hinnehmen, wobei die Leistung bei einem ausreichend hohen Niveau auf Null reduziert wird.

2 Dieses Programm ist ausschließlich rentengeprüft.

Die jüngsten Reformen in der gesamten Region zielen darauf ab, die Deckung durch die Sozialrenten auszuweiten, die Angemessenheit der Leistungen zu erhöhen und das Recht älterer Menschen auf Sozialschutz zu gewährleisten. In Chile und Jamaika wurden neue Sozialrenten eingeführt, was den Trend zur Deckungsausweitung widerspiegelt. Mexiko hat Maßnahmen ergriffen, um die Langlebigkeit seines Programms zu gewährleisten, indem es das Recht auf eine Sozialrente in seiner Verfassung verankert hat. Kanada, Kuba, Ecuador, Guatemala, Guyana, Suriname und die Vereinigten Staaten von Amerika haben die Leistungsbeträge erhöht, um den Rentnern einen Mindestlebensstandard zu sichern. Diese Fälle werden im Folgenden beschrieben.

Chile führt eine fast universelle Sozialrente im Alter ein

Im Januar 2022 verabschiedete Chile das Gesetz Nr. 21.419, mit dem eine neue nahezu universelle Sozialrente (Pensión Garantizada Universal; PGU) für Personen mit legalem Wohnsitz im Alter von 65 Jahren oder älter eingeführt wurde. Sie gilt für alle Personen mit Ausnahme der reichsten 10 Prozent der Bevölkerung. Die Reform ersetzt die bisherige solidarische Aufstockung (Aporte Previsional Solidario de Vejez) und die solidarische Sozialrente (Pensión Básica Solidaria de Vejez), die sich an ältere Menschen in einkommensschwachen Haushalten bzw. an die ärmsten 60 Prozent der Bevölkerung richteten. Die Zahl der Sozialrentenempfänger im Alter wurde auf diese Weise deutlich erhöht.

Im Rahmen des neuen Programms, das im August 2022 vollständig umgesetzt wurde, haben alle Personen mit legalem Wohnsitz, die 65 Jahre oder älter sind und in Haushalten leben, die zu den untersten 90 Prozent der Einkommensverteilung des Landes gehören, Anspruch auf eine Sozialrente, sofern sie nach Vollendung des 20. Lebensjahres mindestens 20 Jahre in Chile gelebt haben (einschließlich mindestens vier der fünf Jahre unmittelbar vor der Inanspruchnahme der Leistung). Ab Februar 2023 haben Personen mit einer beitragsabhängigen monatlichen Rente von weniger als 702 101 chilenischen Pesos (CLP) (808 US-Dollar - USD) Anspruch auf die Höchstleistung von monatlich 206 173 CLP (237 USD). Personen mit einer beitragsabhängigen Rente von weniger als 1 114 466 CLP (1240 USD) pro Monat erhalten eine anteilig gekürzte Leistung. Darüber hinaus erhalten anspruchsberechtigte Hinterbliebene von Sozialrentenempfängern eine Bestattungsbeihilfe zur Deckung der Beerdigungskosten.

Durch die Deckungsausweitung auf einen größeren Teil der älteren Bevölkerung zielt die PGU auf die Bekämpfung der Altersarmut und die Einkommensanhebung aller Rentner über die nationale Armutsgrenze ab. Erste Analysen der Auswirkungen des neuen Programms haben ergeben, dass die Rentenersatzquoten in Chile infolge der Reform sowohl bei Männern als auch bei Frauen über dem OECD-Durchschnitt liegen (Perspectivas, 2022).

Für eine knappe Zusammenfassung der Reform siehe Social Security Administration, 2022.

Ecuador führt großzügigere Sozialrenten zur Armutsbekämpfung ein

Im Juli 2019 setzte Ecuador das Dekret 804 um, mit dem zwei neue Sozialrenten eingeführt wurden: die Meine-besten-Jahre-Rente für ältere Menschen (Pensión Mis Mejores Años) und die Lebenszeitrente für Menschen mit Behinderungen (Pensión Toda Una Vida). Beide Programme zielen darauf ab, einen Mindestlebensstandard zu garantieren, indem sie die Leistungen für ältere Menschen und in Armut oder extremer Armut lebende Menschen mit Behinderungen im Vergleich zu den bisherigen ecuadorianischen Sozialrenten für Alter und Behinderung verdoppeln.

Im Rahmen der früheren Programme erhielten Ecuadorianer ab 65 Jahren oder unter 65 Jahren mit einer Behinderung von mindestens 40 Prozent, die als arm oder extrem arm eingestuft wurden und nicht die Voraussetzungen für eine beitragsabhängige Alters- oder Invaliditätsrente erfüllten, eine Pauschalleistung von 50 USD pro Monat. Durch die neuen Sozialrenten erhalten Personen, die die oben genannten Kriterien erfüllen, eine erhöhte Pauschalleistung von 100 USD pro Monat. In ländlichen Gebieten lebende Personen und unbezahlte Pflegekräfte, die an speziellen beitragsabhängigen Programmen teilnehmen, haben ebenfalls Anspruch auf Sozialrentenleistungen.  Mit dem Gesetz von 2019 wurden auch besondere Notfallleistungen für Personen in Armut und extremer Armut eingeführt, um Kosten auszugleichen, die durch unerwartete Ereignisse wie Naturkatastrophen oder den Tod eines Familienmitglieds entstehen.

Die Regierung berichtet, dass bis März 2023 insgesamt 301 059 ältere Menschen die Meine-besten-Jahre-Rente erhalten haben (MIES, 2023), die die Altersarmut direkt reduziert, indem sie ein Einkommen über der nationalen Pro-Kopf-Armutsgrenze Ecuadors von monatlich 89,29 USD sichert (INEC, 2023).

Jamaika führt eine Sozialrente für benachteiligte Erwachsene im Alter von 75 Jahren oder älter ein

Im Juli 2021 führte Jamaika eine neue steuerfinanzierte Sozialrente ein, die gefährdeten ansässigen Bürgern ab 75 Jahren ein garantiertes Einkommen bietet. Die neue Initiative soll das bestehende Sozialversicherungssystem und das Programm für Aufstieg durch Gesundheit und Bildung (Programme of Advancement through Health and Education – PATH) ergänzen, das Einkommensunterstützung für Erwachsene ab 60 Jahren (sowie für andere gefährdete Gruppen) leistet. Das neue Programm ist Teil der umfassenden Reformbemühungen der Regierung im Bereich der Sozialhilfeleistungen.

Um Anspruch auf Sozialrentenleistungen zu haben, dürfen die Betroffenen keine andere Rente oder Einkommensquelle beziehen, dürfen nicht in einer öffentlichen Pflegeeinrichtung wohnen und müssen als gefährdet eingestuft werden. Anspruchsberechtigte Personen erhalten 6800 Jamaikanische Dollar (44 USD), die alle zwei Monate ausgezahlt werden. Die Regierung arbeitet aktiv an weitreichenden Maßnahmen, um den Zugang zu schwer erreichbaren Personen zu erleichtern, und überprüft die Kriterien für die Beurteilung der Gefährdung, um sicherzustellen, dass anspruchsberechtigte Personen nicht zu Unrecht von dem Programm ausgeschlossen werden. Im März 2023 waren 12 362 Jamaikaner im Programm eingeschrieben (JIS, 2023).

Zum Zeitpunkt der Einführung des neuen Programms bezogen 42 Prozent der über 60-Jährigen weder eine Rente noch Sozialhilfeleistungen, und nur 47 Prozent der Erwerbstätigen leisteten aktiv Beiträge an die Landesversicherungsanstalt (JIS, 2021). Das Sozialrentenprogramm verfügt daher über ein erhebliches Potenzial zur Verringerung der Altersarmut und der Einkommensunsicherheit im Lande, indem es den am stärksten gefährdeten Personen ein Mindestmaß an Lebensstandard bietet.

Mexiko verankert das Recht auf eine universelle Sozialrente in der Verfassung

Im Jahr 2020 erhielt die Sozialrente für ältere Menschen (Programa de Pensión para el Bienestar de las Personas Adultas Mayores) in Mexiko Verfassungsrang, wodurch das Recht auf eine Sozialrente im Alter für alle Bürgerinnen und Bürger festgeschrieben und ihre zukünftige Fortführung angestrebt wurde.

Die universelle Sozialrente, die 2001 als regionale Initiative in Mexiko-Stadt ins Leben gerufen und 2019 landesweit ausgeweitet wurde, galt zunächst nur für Staatsbürger ab 68 Jahren oder älter (für Indigene und Afro-Mexikaner ab 65 Jahren). 2021 wurde dieses Programm auf alle Erwachsenen ab 65 Jahren ausgeweitet. Ab 2023 erhalten die Begünstigten alle zwei Monate 4800 mexikanische Pesos (MXN) (286 USD), die 2024 auf 6000 MXN (358 USD) erhöht werden sollen. Für anspruchsberechtigte Hinterbliebene, die den Verstorbenen gepflegt haben, gibt es außerdem ein Sterbegeld in Form einer Einmalzahlung.

Bis zum Jahr 2023 werden über 10 Millionen Menschen eine Sozialrente aus diesem Programm erhalten, eine Zahl, die mit der Alterung der mexikanischen Bevölkerung voraussichtlich noch steigen wird (Secretaría de Bienestar, 2022). Nach Regierungsschätzungen wird sich der Anteil der 60-Jährigen und älter in den nächsten drei Jahrzehnten fast verdoppeln, von 12 Prozent im Jahr 2022 auf 22,5 Prozent im Jahr 2050 (CONAPO, 2022). Die Einführung des verfassungsmäßigen Rentenanspruchs ist daher im Kontext des demografischen Wandels ein wichtiger Meilenstein für den sozialen Schutz.

Sonstige Erhöhungen von Sozialrenten

Darüber hinaus haben einige andere Länder Maßnahmen ergriffen, um das Leistungsniveau der Sozialrenten zu erhöhen.

Kanada hat im Jahr 2021 eine dauerhafte 10-prozentige Erhöhung seiner universellen Rente, der Old Age Security Pension, für Personen ab 75 Jahren eingeführt. Ab 2023 erhalten Rentner in dieser Altersgruppe nun 768,46 kanadische Dollar (CAD) pro Monat (565 USD), gegenüber 698,60 CAD pro Monat (514 USD) für die 65- bis 74-Jährigen. Dies ist die erste nicht inflationsbedingte Erhöhung des Leistungsbetrags seit 1973.

Kuba hat 2021 eine Erhöhung der sozialen Mindestrente sowie eine Anhebung des Mindestlohns und Änderungen am beitragsabhängigen Rentensystem beschlossen. Ab 2023 beträgt die soziale Mindestrente 1543 kubanische Pesos (CUP) pro Monat (64 USD).

Guatemala hat 2022 den Leistungsbetrag seiner Sozialrente, des Programms für wirtschaftliche Unterstützung älterer Erwachsener (Programa del Aporte Económico del Adulto Mayor), von monatlich 400 guatemaltekischen Quetzal (GTQ) (51 USD) auf 500 GTQ pro Monat (64 USD) erhöht. Im Jahr 2022 erreichte das Programm 142 738 Begünstigte, hauptsächlich in ländlichen Gebieten, und die Regierung strebt an, bis Ende 2023 die Zahl bis auf 210 000 Begünstigte zu erhöhen (MINTRAB, 2022).

Guyana erhöhte seine universelle Sozialrente von monatlich 28 000 GYD (134 USD) im Jahr 2022 auf monatlich 33 000 GYD (158 USD) im Jahr 2023. Es handelt sich um die zweite Erhöhung der Sozialrente unter der derzeitigen Regierung, die bereits 2021 den Leistungsbetrag von 20 500 GYD (98 USD) pro Monat angehoben hatte. Zusätzlich zu diesen Erhöhungen erhielten die Rentner einmalige Zuschüsse von 25 000 GYD (120 USD) im Jahr 2021 und 28 000 GYD (134 USD) im Jahr 2022 (DPI, 2023).

Suriname hat im Jahr 2023 mehrere Änderungen an seinen Sozialhilfeprogrammen beschlossen. Unter anderem wurde die pauschale Altersrente (Algemene Oudedagsvoorziening) auf 1 750 surinamische Dollar (SRD) pro Monat (46 USD) erhöht. Der neue Betrag ist die letzte einer Reihe von Verbesserungen und spiegelt eine 233-prozentige Erhöhung des Leistungsbetrags seit Januar 2020 wider. Im Jahr 2022 wurde den Leistungsempfängern eine zusätzliche Aufstockung von 1 000 SRD pro Monat (26 USD) gezahlt (Office of the President, 2023).

Es ist anzumerken, dass viele andere Länder ihre Sozialrenten im Rahmen regelmäßiger jährlicher Anpassungen an die Entwicklung der Lebenshaltungskosten und anderer Indikatoren erhöht haben. Einige dieser Anpassungen waren in den letzten Jahren ganz beträchtlich. Die Vereinigten Staaten von Amerika haben 2023 zum Beispiel die Alters- und Invaliditätsleistungen im Rahmen ihrer Sozialversicherungs- und Sozialhilfeprogramme um 8,7 Prozent erhöht. Diese Erhöhung ist die größte ihrer Art seit 1981 und spiegelt das relativ hohe Inflationsniveau im Land wider. Ab 2023 erhalten Sozialhilferentner im Rahmen des Programms für zusätzliche Einkommensbeihilfen eine progressive Unterstützung von bis zu 914 USD pro Monat (bis zu 1.371 USD für ein Paar) (SSA, 2023).

Schlussbetrachtungen

Die Sozialrenten werden häufig mit dem Ziel eingeführt, die Armut zu lindern und Ungleichheiten bei den Rentenleistungen zu verringern. Sie tun dies in Kombination mit anderen Formen des Sozialschutzes, insbesondere durch die Ergänzung von beitragsabhängigen Programmen, und sind daher wichtige Bestandteile des sozialen Basisschutzes.

In Amerika sind Sozialrenten ein wichtiges Instrument zur Bereitstellung von Geldleistungen für Personen mit unzureichenden beitragsabhängigen Renten sowie für bestimmte soziale Gruppen, die in der Vergangenheit nur in begrenztem Umfang abgesichert waren, wie Frauen, indigene Gemeinschaften und die afroamerikanische Bevölkerungsgruppe. Am erfolgreichsten sind sie als Teil robuster und effektiver Systeme der sozialen Sicherheit, die Arbeitnehmer sowohl in der formellen als auch in der informellen Wirtschaft abdecken.

Während die Sozialrenten Lücken in der beitragsabhängigen Altersversorgung schließen, bleibt die Einbindung nicht versicherter Arbeitnehmer in beitragsabhängige Systeme ein wichtiger Weg, um den Lebensstandard im Alter anzuheben, die Sozialrenten finanziell tragfähig zu machen und allgemeinere politische Ziele zu erreichen. Häufig sind Deckungslücken oder unzureichende beitragspflichtige Renten darauf zurückzuführen, dass Personen während ihres Arbeitslebens nur begrenzt oder unregelmäßig Zugang zum formellen Arbeitsmarkt haben, sowie auf Herausforderungen wie niedrige oder instabile Einkommen und häufige Arbeitsplatzwechsel. So können beispielsweise Selbstständige, informell Beschäftigte, Arbeitnehmer in Klein- und Kleinstunternehmen, Gelegenheits- oder Saisonarbeiter, Hausangestellte, Arbeitnehmer in der Landwirtschaft und Fischerei sowie Migranten sowohl rechtlich als auch tatsächlich häufig ausgeschlossen werden.

Fortgesetzte Bemühungen, den Zugang zu beitragsfinanzierten Systemen und formeller Arbeit zu erhöhen, verbessern nicht nur den Lebensstandard, fördern die Inklusion und unterstützen menschenwürdige Arbeit. Sie tragen auch dazu bei, eine Überdehnung der staatlichen Ausgaben für Sozialrenten zu vermeiden, die deren Tragfähigkeit gefährden würde. So haben beispielsweise Bemühungen zur Vereinfachung oder Subventionierung von Beiträgen für einkommensschwache Gruppen deren schrittweise Einbeziehung in beitragsabhängige Systeme ermöglicht – siehe zum Beispiel (Bundesverwaltung der Staatseinnahmen, 2017). Auch die in vielen Ländern Amerikas praktizierte garantierte Mindestrente in beitragsabhängigen Systemen kann den Beitritt fördern. Die Koordinierung zwischen Sozialrenten und beitragsabhängigen Systemen ist daher entscheidend.

Schließlich gewährleistet die rechtliche Absicherung unabhängig von der Art der Reformen nicht automatisch einen effektiven Zugang der Zielbevölkerung. Zusätzlich zu den allgemeinen administrativen Hindernissen, die Menschen aller Altersgruppen betreffen können, z. B. Lese- und Schreibschwierigkeiten, Sprachschwierigkeiten, fehlende Ausweisdokumente, Abgelegenheit und mangelnder Zugang zu Finanzdienstleistungen, können ältere Menschen aufgrund ihrer digitalen Kenntnisse und altersbedingten Funktionseinschränkungen zusätzlichen Zwängen ausgesetzt sein. Zur Erreichung einer universellen Deckung bedarf es geeigneter und kosteneffizienter Lösungen, um politische Reformen vollständig umzusetzen und schwer zu deckende Gruppen einzubinden.

Daher zielen die IVSS-Leitlinien über administrative Lösungen für die Deckungsausweitung (IVSS, 2022) darauf ab, Institutionen dabei zu unterstützen, ihre Kapazitäten zur effektiven Deckung schwer zu deckender Gruppen zu stärken. Da in diesen Leitlinien verwaltungstechnische Lösungen für die Zugangsverbesserung zur sozialen Sicherheit unabhängig von der Finanzierungsart aufgezeigt werden, können sie auch zur Verbesserung der tatsächlichen Deckung der Sozialrenten verwendet werden.

Referenzen

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