IVSS
Soziale Sicherheit weltweit fördern und entwickeln.
Bestimmung der Auswirkungen der Finanzkrise auf die Menschen
IVSS, 29.11.2009 | Momentaufnahme
Stress
In der Diskussion über die Krise werden eine eher ökonomische Sprache und abstrakte Begriffe wie Abschwung, Aufschwung und Zunahme der Arbeitslosquote verwendet. Vor diesem Hintergrund wird der Faktor Mensch oft vergessen und erst im Nachhinein berücksichtigt. Dasselbe gilt auch im Diskurs über die soziale Sicherheit. Deshalb ist es wichtig, dass man sich fragt, was die Krise für die Menschen wirklich bedeutet.

Eine vor kurzem vom Forschungsinstitut der Vereinten Nationen für soziale Entwicklung (UNRISD) durchgeführte Konferenz befasste sich genauer mit der menschlichen Dimension der Krise. Verschiedene Redner wiesen darauf hin, dass die Krise die bestehenden sozialen Nachteile (Ungleichheit, Unsicherheit, Armut etc.) – oder was einige die “Krise vor der Krise” nannten – verschärft und verschlimmert und neue soziale Schwierigkeiten bewirkt hat. Beispielsweise wurde dargelegt, dass die Krise möglicherweise die vermeidbare Sterblichkeit erhöht, eine größere soziale Anomie, verkörpert durch eigennützigeres Verhalten (d.h. Verhalten, bei dem jemand die eigenen Interessen über jene anderer stellt) zusammen mit einem verringerten sozialen Altruismus, herbeiführt, die Geschlechterungleichheit (weil die Frauen die Last der zusätzlichen Betreuungsarbeit zu tragen haben) verschärft, das Auseinanderbrechen der Familien und den Missbrauch innerhalb von Familien verstärkt und die Zahl der Depressionen und Suizide sowie den Konsum von illegalen und legalen Drogen erhöht.

Gemäß den jüngsten Interviews, welche die IVSS mit Experten geführt hat, nimmt der arbeitsbedingte Stress zu. In Entwicklungsländern hat die Krise verschiedene weitere Folgen: Kinder werden aus der Schule genommen, und es wird auf “nicht-wesentliche Schulbildung” verzichtet. Weibliche Arbeitskräfte werden “aus Not verkauft” (d.h. an die Sexindustrie). Die Kalorieneinnahme geht zurück, und es werden weniger hochwertige Lebensmittel gegessen, was die Gesundheitsrisiken erhöht. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht darin, dass ein großer Teil des Schadens nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Junge Erwachsene und Kinder, die unter dieser Krise leiden, werden für den Rest ihres Lebens beeinträchtigt bleiben, was die Bildung von Sozial- und Humankapital erschweren wird.

Es handelt sich hierbei nicht um eine vollständige Liste der gegenwärtigen und möglichen Auswirkungen. Sie zeigt jedoch, weshalb die soziale Sicherheit als sozialer Stabilisator zum Schutz von Einkommen und Gesundheit wichtig sein kann.

 

 

Quellen

Elson, D. 2009. Social reproduction in the Global Crisis . Presentation at: UNRISD Conference on Social and Political Dimensions of the Global Crisis 12-13 November 2009.

ISSA. Nov 2009. Financial crisis and occupational safety and health: Interview with experts .
www.issa.int/aiss/News-Events/Videos2/Financial-crisis-and-occupational-safety-and-health-Interview-with-experts

UNRISD. 12-13 November 2009. Conference on Social and Political Dimensions of the Global Crisis: Implications for Developing Countries . Palais des Nations, Geneva.
www.unrisd.org/80256B3C005BD6AB/(httpEvents)/0D3FD969E8D5D89DC12575F60044976F?OpenDocument

 

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Region: International
Type: Momentaufnahme
Themen: Über soziale Sicherheit, Arbeitsrisiken, Finanzierung

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