IVSS
Soziale Sicherheit weltweit fördern und entwickeln.
Homepage / News/Veranstaltungen / news / Prevention strategies to become "central" for social security, experts predict
Präventionsstrategien laut Experten zentral für die soziale Sicherheit
IVSS, 30.06.2010 | Feature
Experten für Arbeits- und soziale Sicherheit bekräftigten an einer Tagung, dass Präventionsstrategien für alle Zweige der sozialen Sicherheit weiter an Bedeutung gewinnen werden und sowohl für Unternehmen als auch für Sozialversicherungen zu messbaren wirtschaftlichen Vorteilen führen können.

"Die Prävention beschränkt sich nicht allein auf Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz, sondern sie ist Teil einer viel umfassenderen Strategie der Systeme der sozialen Sicherheit, auf eine Vielzahl gleichzeitiger Herausforderungen zu reagieren", erklärte die Präsidentin der Internationalen Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS), Corazon de la Paz-Bernardo.

"Indem sie Risikofaktoren durch Prävention, frühes Eingreifen und andere proaktive Maßnahmen eindämmt, kann die soziale Sicherheit einen Beitrag für den Einzelnen und die Gesellschaft leisten, der weit über den herkömmlichen Rahmen von Leistungszahlungen hinausgeht. Ausgleich ist ein integrierender Bestandteil der sozialen Sicherheit, aber Prävention und Rehabilitation sind ebenfalls zentrale Elemente", betonte Frau de la Paz-Bernardo.

Das internationale Seminar, an dem Sicherheits- und Gesundheitsexperten sowie führende Verwaltungsfachleute von Systemen der sozialen Sicherheit aus über 20 Ländern teilnahmen, wurde in Genf von der IVSS und dem internen Besonderen Ausschuss für Prävention organisiert, der sich um Themen der Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz kümmert und ein internationales Netzwerk von 11 Sektionen zur Verhütung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten umspannt.

 

Proaktive Präventionsstrategien

Präventionsstrategien von Sozialversicherungen richteten sich in der Vergangenheit vornehmlich auf die Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Studien haben gezeigt, dass Einbußen durch Arbeitsunfälle, Krankheit und Fehlen am Arbeitsplatz bis zu 1 bis 10 Prozent des BIP ausmachen können.

Forschungsarbeiten bestätigen demgegenüber, dass die Kosten für Prävention vergleichsweise niedrig sind und dass eine proaktive Förderung der Gesundheit am Arbeitsplatz zu weniger Krankheiten und mehr Motivation und Innovation für die Unternehmen führt, was sich positiv auf die Produktivität und das Wirtschaftswachstum auswirkt.

In den vergangenen Jahren wurde die traditionelle Aufgabe der Systeme der sozialen Sicherheit, die Menschen vor Risiken des Lebenszyklus zu schützen, immer mehr durch proaktive Maßnahmen in anderen Bereichen ergänzt, sagte Olaf Petermann, Vorsitzender des Besonderes IVSS-Ausschusses für Prävention.

 

“Präventionsertrag”

Die IVSS hat kürzlich eine globale Studie zum "Präventionsertrag" lanciert, mit welcher der wirtschaftliche Ertrag von Investitionen in die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit quantifiziert werden soll. Gemäß Walter Eichendorf, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung, bestätigt ein Pilotprojekt in 39 Unternehmen in Deutschland, dass Investionen in Präventionsstrategien zu einem wesentlichen und messbaren finanziellen Vorteil führen.

Eine Studie zeigte, dass Unternehmen, die Programme der Gesundheitsförderung und Prävention betreiben, das Fehlen am Arbeitsplatz aus arbeitsbezogenen Gründen zwischen 12 und 36 Prozent reduzieren konnten, bestätigte Jean-Claude Poirier, Direktor der Prävention von Berufsrisiken bei der Regionalkasse für Krankenversicherung der Ile de France (CRAMIF). Die Studie geht davon aus, dass jeder in derartige Programme investierte Euro dem Arbeitgeber einen Ertrag von 2,5 bis 4,8 Euro einbringt.

Herr Eichendorf stellte jedoch fest, dass Wettbewerbsdruck, die sich ändernde Arbeitsgesellschaft und die Folgen der Wirtschaftskrise die Budgets für Sicherheit und Gesundheit in vielen Ländern schrumpfen lassen, und er rief zu einer verstärkten internationalen Zusammenarbeit auf, um Ressourcen zu sparen und in allen Bereichen der sozialen Sicherheit und der sozialen Unfallversicherung Präventionstätigkeiten zu lancieren.

 

Prävention in Renten- und Arbeitslosenversicherungen

Präventive Ansätze können auch in der Renten- und der Arbeitslosenversicherung eine große Rolle spielen, sagte Adriana Lender, Generaldirektorin des Schwedischen Sozialversicherungsamts.

"Ein präventiver Ansatz kann den Einzelnen die Möglichkeit geben, beschäftigt zu bleiben oder gesund den Ruhestand zu genießen", erklärte Frau Lender.

Frau Lender beschrieb, wie Invalidität sowie Krankheit und Fehlen am Arbeitsplatz in Schweden in den 1990-er Jahren angestiegen seien, und dass das System der sozialen Sicherheit umfassende Eindämmungs- und Präventionsmaßnahmen eingeführt habe, welche die steigenden Kosten wirkungsvoll gebremst hätten.

Lender zählte einige der Faktoren des Projekts auf, einschließlich Anstrengungen zur Förderung früher Rehabilitation, zur größeren Koordination zwischen medizinischen und sozialen Diensten und zur aktiven Förderung einer Rückkehr in den Arbeitsmarkt sowie Maßnahmen zur Senkung des Armutsrisikos im Alter.

In einem weiteren Beispiel für Präventionsstrategien beleuchtete George Carlens, Generaldirektor des Belgischen Arbeitsamts, das angebotene Spektrum an Beschäftigungsmaßnahmen als Antwort auf die Wirtschaftskrise.

Durch proaktive und temporäre Maßnahmen der sozialen Sicherheit zur Unterstützung von Arbeitnehmern und der Flexibilität von Unternehmen habe ein Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit verhindert werden können, erklärte Herr Carlens. Die OECD schätzt, dass die proaktiven Maßnahmen während der Krise in Belgien 60 000 Stellen erhalten haben, was 1,3 Prozent der Beschäftigten entspricht.

"Diese Maßnahmen sind kostenintensiv, aber weniger teuer als die langfristigen wirtschaftlichen und sozialen Folgen einer gestiegenen Arbeitslosigkeit", erinnerte Herr Carlens die Teilnehmer.

 

Die "Atombombe" Gesundheitswesen

An der Tagung wurde auch über die Rolle von Unfallversicherungen gesprochen, die sich über einen rein medizinischen hin zu einem allgemein gesundheitsorientierten Ansatz bewegen, um die wachsenden Gesundheitskosten in vielen Ländern einzudämmen. Neue und aufkommende Risiken wurden ebenfalls analysiert, einschließlich die Entwicklung von Nanotechnologie und psychosoziale Beschwerden, ein neuer Trend innerhalb der chronischen Krankheiten.

Die Weltgesundheitsorganisation geht davon aus, dass chronische Krankheiten bis 2030 um ganze 30 Prozent zunehmen werden, was als "Atombombe" für das Gesundheitswesen und die Sozialversicherungskosten bezeichnet werden könne, führte Marc de Greef aus, Geschäftsführer von PREVENT, dem Belgischen Institut für Prävention, Schutz und Wohlfahrt bei der Arbeit.

 

Prävention für alle Teile der Gesellschaft

Zum Abschluss der Tagung bekräftigte IVSS-Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky, dass proaktiven und präventiven Ansätzen in der sozialen Sicherheit bei der IVSS eine strategische Priorität eingeräumt werde.

"Die Prävention muss alle Teile der Gesellschaft abdecken, nicht nur den Arbeitsplatz. Wir stehen vor immer komplexeren Risiken, und die Sorge um chronische Krankheiten und geistige Gesundheit wächst. Diesen vielfältigen Herausforderungen muss durch eine Änderung der Kultur und stärker integrierte und übergreifende Ansätze begegnet werden. Prävention kann von keinem Zweig der sozialen Sicherheit mehr ignoriert werden", stellte Herr Konkolewsky fest.


Region: International
Type: Feature
Themen: Arbeitsrisiken
Tagungen: Fachseminar über den Nutzen der Prävention

News

Argentinischer Vizepräsident sieht Investitionen in Sozialschutz als „Alternative zu Sparmaßnahmen“
Video  IVSS, 15.05.2012 | News
Amado Boudou spricht an einer Veranstaltung der IVSS in Genf
Strengthening the social protection of migrant workers in Eurasia
IVSS, 15.05.2012 | News
ISSA representatives received by Moldovan Deputy Prime Minister
The ISSA Good Practice Award for the Americas
IVSS, 14.05.2012 | News
Submission deadline: 31 August 2012

Veranstaltungen zum Thema