Professor Julien Damon vom Institut für Politikwissenschaften, Paris, verwies darauf, dass der demografische Wandel alle Weltregionen trifft. Die Alterung der Weltbevölkerung führe zu sinkenden Fertilitätsraten und vermehrter Langlebigkeit bei besserer Gesundheit in den späteren Lebensabschnitten. Es zeichne sich auch ein weltweiter Trend zu verstärkter Urbanisierung ab, allerdings habe diese oft informellen Charakter, so dass es häufig am Zugang zu sozialen Infrastrukturen und Dienstleistungen mangele.
Die Teilnehmer anerkannten, dass diese weltweiten Entwicklungen im allgemeinen positiv seien, aber nicht in allen Regionen einheitlich verliefen, wobei die Unterschiede vor allem zwischen den mehr und den weniger entwickelten Regionen bemerkenswert seien. Zudem sei der Zugang zur sozialen Sicherheit aus geschlechtsspezifischer Perspektive oft ungleich, wobei Frauen im Vergleich zu den Männern ein immer größeres Armutrisiko im Alter hätten.
Der demografische Wandel stelle die Systeme der sozialen Sicherheit vor wichtige Fragen bezüglich der Finanzierung der bestehenden Programme, insbesondere der Rentensysteme. Andere Fragen beträfen das Aufkommen neuer sozialer Risiken für Individuen und Familien und wie mögliche Lösungen in diesem Bereich zu gestalten und finanzieren seien.
Bestehe die Antwort auf die finanziellen Herausforderungen in einer stärkeren Einwanderung? Dies scheine nicht unbedingt der Fall zu sein: Studien legten nahe, dass die Immigration nur teilweise positive Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität der nationalen Systeme der sozialen Sicherheit in alternden Gesellschaften habe.
Die Reform der sozialen Sicherheit reicht nicht aus
In allen Gesellschaften liege diesem Befund die Herausforderung zugrunde, verstärkt formale Beschäftigung zu schaffen, meinte Krzysztof Hagemejer vom Internationalen Arbeitsamt, der sich für einen kohärenten, umfassenden politischen Reformansatz einsetzte sowie für die Harmonisierung entsprechender Bemühungen über Sektoren hinweg.
„Eine Reform der sozialen Sicherheit reicht nicht aus”, stellte er fest.
Es sei allerdings nicht klar, wie die Länder mehr Arbeit für ältere und jüngere Arbeitnehmer gleichermaßen schaffen könnten, und die Vereinbarkeit von Arbeit und Sozialschutzbedürfnissen für alle Menschen bleibe eine Herausforderung.
Das WSSF kam zum Schluss, dass es weltweit in allen Regionen möglich geworden ist, länger und gesünder zu leben, wobei Verbesserungen beim Zugang zur sozialen Sicherheit und den Systemen der Gesundheitsversorgung eine wichtige Rolle bei entsprechenden Erfolgen spielten. Allerdings habe die Mehrheit der Weltbevölkerung weiterhin keinen Zugang zu einem angemessenen Sozialschutz.
Anlässlich des Welt-Aids-Tages beschäftigte sich das WSSF auch mit den negativen Folgen der Aids-Epidemie, insbesondere in einer Reihe von Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Zehn Zielsetzungen zur Anpassung an die demografischen Veränderungen
Auf der Suche nach Antworten auf das Problem des demografischen Wandels verwies Professor Damon auf zehn Zielsetzungen für die soziale Sicherheit.
Die soziale Sicherheit solle Funktionen des Schutzes, der Prävention und der Förderung wahrnehmen. Eine Priorität sei die Tragfähigkeit der Rentensysteme. Die Gesellschaften müssten wichtige Entscheidungen bezüglich des Anteils an Ressourcen treffen, der den jeweiligen Generationen zugewiesen wird. Maßnahmen zur Sicherung der ausreichenden Finanzierung seien ebenso erforderlich wie praktische Ansätze, die das Erbringen von Leistungen sicherstellen. Durch eine Mehrzahl von Maßnahmen, die proaktiv erfolgen, was Einstellungs- und Verhaltensänderungen voraussetze, müsse die Leistungsfähigkeit auf allen Ebenen gesteigert werden.
Zum Schluss der Sitzung stellte Herr Yannick D’Haene, Direktor der Beobachtungsstelle der IVSS für soziale Sicherheit, fest, dass es Zeichen für Vertrauen in die Fähigkeit der für die soziale Sicherheit Verantwortlichen gibt, die Herausforderungen des demografischen Wandels zu bewältigen.
Dies sei kein „naiver Optimismus”, stellte er fest, aber die Problemkenntnis biete die Möglichkeit zu positivem Handeln.