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Regionalforum: Zeit zu handeln für Afrikas soziale Sicherheit
IVSS, 13.12.2011 | Feature
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Während einige afrikanische Länder gerade ein halbes Jahrhundert staatlicher Unabhängigkeit gefeiert haben, blicken viele auch zurück auf ihre sozialen Errungenschaften. Der Beitrag der sozialen Sicherheit zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung auf dem Kontinent stand im Mittelpunkt der Gespräche am Regionalforum für soziale Sicherheit für Afrika, das am 7. Dezember in Arusha, Vereinigte Republik Tansania, zu Ende ging.

Am Forum nahmen fast 250 Personen teil, darunter Minister, Generaldirektoren und führende Verwaltungsfachangestellte von Organisationen der sozialen Sicherheit aus 35 afrikanischen Ländern, die Entwicklungen bei der Ausweitung der Deckung, der Angemessenheit von Leistungen und dem innovativen Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien analysierten. Obwohl es in fast allen afrikanischen Ländern Systeme der sozialen Sicherheit gibt und viele von ihnen dabei sind, ihre Reichweite zu vergrößern, verfügt der Großteil der Bevölkerung noch immer über keinen Zugang zu Sozialschutz.

 

Würdigung der Errungenschaften in der sozialen Sicherheit

Mr Errol Frank Stoové, ISSA President

 

Zur Eröffnung der Veranstaltung verwies der Präsident der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) Errol Frank Stoové auf die offenkundigen Fortschritte, die in der sozialen Sicherheit der Region erreicht wurden, hielt jedoch zugleich fest, dass die Ausweitung der Deckung auf schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen weiterhin eine „drängende Herausforderung“ für Afrika sei.

„In Afrika wird viel getan, um die Systeme tragfähiger und erfolgreicher zu gestalten, um Good Governance zu fördern und die soziale Sicherheit proaktiver und präventiver auszurichten“, sagte er.

„Die soziale Sicherheit gehört zu den dynamischsten Sektoren unserer Gesellschaft, und sie ist einer der Grundpfeiler des gesellschaftlichen Zusammenhalts und der gesellschaftlichen Entwicklung“, bekräftigte Stoové.

Laut einem Bericht der IVSS über Entwicklungen und Trends in der sozialen Sicherheit, der am Forum vorgestellt wurde, haben die afrikanischen Länder im Bereich der Ausweitung der sozialen Sicherheit in den letzten Jahren viel erreicht.

„Institutionen der sozialen Sicherheit auf dem ganzen Kontinent haben innovative und wirksame Maßnahmen umgesetzt, um die Deckung sowohl durch beitragsbezogene Systeme als auch durch eine stärkere Ausrichtung auf schutzbedürftige Gruppen auszuweiten“, erklärte der Generalsekretär der IVSS, Hans-Horst Konkolewsky.

„Die Anstrengungen zur Ausweitung der Deckung sind zwar nichts Neues für die Region, ein Trend zu wirksameren Ansätzen ist aber deutlich zu erkennen.“

Die Institutionen der sozialen Sicherheit stehen jedoch vor bedeutenden Herausforderungen bei der Ausweitung der Deckung, bemerkte Konkolewsky, vor allem, wenn sie den informellen Sektor und die ländliche Bevölkerung erreichen wollen. Er rief die Institutionen der sozialen Sicherheit auf, Zusammenarbeit und Partnerschaften zu intensivieren, über ihren herkömmlichen Auftrag hinauszugehen, um zur Ausweitung der Deckung beizutragen, sowie präventive Ansätze und die Angemessenheit von Leistungen stärker zu fördern.

 

Auf dem Weg zu afrikanischen Formen der sozialen Sicherheit

Die Strategien der sozialen Sicherheit müssten auf den kulturellen und historischen Kontext und die informellen Wirtschaftsbereiche Afrikas zugeschnitten werden, wenn sie erfolgreich sein wollten, argumentierte Nathaniel Wellington, langjähriger Lehrbeauftragter an der Universität von Sierra Leone.

Eine Betonung der Entwicklung herkömmlicher und gemeinschaftlicher afrikanischer Schutzmodalitäten und ihre Einbindung in eine umfangreichere formelle Sozialschutzarchitektur könne von Vorteil sein, sagte er.

Die verbreitete Armut und die Persistenz des informellen Sektors machten ganz besondere Ansätze nötig, gab Wellington zu Protokoll. „Durch Investitionen in den Sozialschutz und eine Förderung proaktiver und präventiver Ansätze können der zukünftige Unterstützungsbedarf sowie die Übertragung der Armut von Generation zu Generation eingedämmt werden.“

   

Angemessenere Leistungen

Die Institutionen der sozialen Sicherheit sind sich einig, dass neben der Deckung auch die Angemessenheit der Leistungen verbessert werden muss. In einer Rede vor den Teilnehmern des Forums verwies Irene Isaka, Generaldirektorin der Aufsichtsbehörde der sozialen Sicherheit Tansanias, auf die Entwicklung von „kundenzentrierten“ Ansätzen durch die Systeme der sozialen Sicherheit sowie auf den Nachdruck auf fristgerechte und faire Beiträge als Wege zu einer Gewährleistung der Angemessenheit.

„Es gibt einen enormen sozialen Multiplikationseffekt, wenn die Angemessenheit einmal gewährleistet ist“, sagte sie.

Isaka rief die Institutionen der sozialen Sicherheit auf, sich für die Beitragszahlung auf neue Technologien und insbesondere auf Mobiltelefone zu stützen, da diese verbreiteter seien als Banksysteme.

 

Nutzung neuer Technologien

Die Verwaltungen der sozialen Sicherheit haben sich überall, auch in Afrika, an die heutigen Forderungen der Kunden nach einer besseren Dienstleistungsqualität anzupassen, wie Constantine Bitwayiki sagte, Berater für IKT und e-Governance aus Uganda.

„Die IKT-Systeme müssen an die Geschäftsprozesse und Kundenbedürfnisse angepasst werden, und nicht umgekehrt“, betonte er. „Die Institutionen der sozialen Sicherheit können neue Technologien zwar nutzen, treibend jedoch sollte der Geschäftsprozess der Institution sein.“

 

Gewährleistung einer sozialen Sicherheit für alle

Die Einführung einer „Sozialen Grundsicherung“ für einen grundlegenden Sozial- und Gesundheitsschutz für die gesamte Bevölkerung liege in Reichweite der meisten afrikanischen Länder, wie Judica Amri-Lawson, eine Vertreterin der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO), sagte.

„Die IAO hat ein einfaches, realistisches und pragmatisches Paradigma für die Ausweitung der sozialen Sicherheit auf alle entwickelt“, erinnerte Amri-Lawson. „Die wichtigsten Prinzipien der Sozialen Grundsicherung sind Tragfähigkeit (der Finanzen), Erschwinglichkeit im Vergleich zu den Einkommen der Bevölkerung, Solidarität und Progressivität (nicht alle Leistungen für alle zugleich).“

„Es ist unsere Aufgabe sicherzustellen, dass die starke afrikanische Perspektive der sozialen Sicherheit und ihre wichtige Rolle bei der Armutsbekämpfung, bei der wirtschaftlichen Entwicklung und bei der Erreichung der Millenniumsziele in der globalen Debatte auch ihren gebührenden Platz finden“, schloss Amri-Lawson.

Regierungen und Geldgeber seien wichtige strategische Verpflichtungen eingegangen, um die drängende Aufgabe des Sozialschutzes und der sozialen Sicherheit in Afrika zu bewältigen, erinnerte Thomas Winther-Schmidt von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in seiner Ansprache an die Teilnehmer.

 

Zeit für soziale Sicherheit in Afrika

ISSA Secretary General Hans-Horst Konkolewsky

 

In seinen Abschlussbemerkungen unterstrich IVSS-Generalsekretär Konkolewsky, wie wichtig es für die Institutionen der sozialen Sicherheit sei, die Steuerungssysteme, die Verwaltungseffizienz und die Dienstleistungsqualität als Gradmesser des Vertrauens in ihre Rolle bei der zukünftigen Ausweitung der Deckung weiter zu verbessern.

„Die entscheidende Frage des politischen Willens und des finanzpolitischen Spielraums, die für eine Ausweitung der Deckung nötig sind, gilt nun als fester Bestandteil der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungsstrategien in Afrika und bietet eine einzigartige Chance, Millionen von Menschen, die in sozialer Unsicherheit leben, einen Zugang zu sozialer Sicherheit zu geben“, sagte er. „Die Zeit ist reif für soziale Sicherheit in Afrika.“

Die Teilnehmer waren sich darin einig, dass der praktischen Umsetzung von Sozialschutzstrategien eine höhere Priorität verliehen werden muss. Ramadhan Dau, Generaldirektor der Landeskasse für soziale Sicherheit, des Gastgebers der Veranstaltung, sprach ebenfalls von einer günstigen Gelegenheit für die Organisationen der sozialen Sicherheit Afrikas.

„Von diesem Forum sind starke Botschaften ausgegangen. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden. Wir verfügen in Afrika über viele Erfahrungen, aus denen wir schöpfen können, zunächst einmal in den Bereichen der Ausweitung der Deckung und des Aufbaus geeigneter IKT-Lösungen“, hielt Dau fest.

„Was wir jetzt brauchen, ist ein stärkeres Engagement der Regierungen, mehr politischen Willen für die soziale Sicherheit und insbesondere für  die Ausweitung der Deckung. In Afrika mangelt es uns nicht an Ideen. Die Zeit ist reif, dass Afrika jetzt handelt.“

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