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Alterung und soziale Sicherheit: Zehn Jahre nach Madrid
IVSS, 29.09.2011 | Feature
Jung und alt

Foto: iStockphoto

Thema 2011: Lancierung von Madrid+10: Die wachsenden Chancen und Herausforderungen durch die weltweite Alterung

Zwanzig Jahre nach dem ersten Internationalen Tag der Älteren Menschen der Vereinten Nationen steht noch ein Jubiläum an: Seit der Zweiten Weltversammlung zu Fragen des Alterns 2002 in Madrid sind zehn Jahre vergangen, und inzwischen wurde ein Internationaler Aktionsplan zur Frage des Alterns verabschiedet.


Die IVSS begeht den Internationalen Tag der Vereinten Nationen mit einer Würdigung der entscheidenden Rolle der sozialen Sicherheit beim Erreichen der gesellschaftlichen Ziele für ältere Menschen – und mit einem Rückblick auf einige der in Madrid angesprochenen Themen und Herausforderungen, die heute immer mehr im Vordergrund stehen.

 

Alterung der Bevölkerung und soziale Sicherheit

Laut den Vereinten Nationen waren 2009 schätzungsweise 737 Millionen Menschen 60 Jahre und älter, zwei Drittel davon in Entwicklungsländern. Ihre Zahl wird bis 2050 voraussichtlich auf zwei Milliarden steigen, und zu diesem Zeitpunkt wird es mehr ältere Menschen geben als Kinder (Personen zwischen 0 und 14 Jahren). Es ist unbestritten, dass die Auswirkungen des Bevölkerungswandels für die Institutionen der sozialen Sicherheit zu den größten Herausforderungen gehören.

Demografische Veränderungen sind einer der wichtigsten Faktoren für  Anpassungen des Angebots sozialer Sicherheit, und sie beeinflussen die Finanzierung zahlreicher Systeme stark. Die zunehmende Langlebigkeit hat direkte Auswirkungen auf die Kosten der Rentenbereitstellung, aber der allgemeine Bevölkerungswandel beeinflusst auch das übrige Angebot von Gesundheits-, Pflege-, Invaliden- und Arbeitslosenleistungen.

„Der Internationale Tag der Älteren Menschen ist eine ausgezeichnete Gelegenheit, Rückschau zu halten auf die Fortschritte und Veränderungen des vergangenen Jahrzehnts bei der Bereitstellung sozialer Sicherheit“, sagte IVSS Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky anlässlich des Internationalen Tages.

„Angesichts der wachsenden Bedürfnisse älterer Menschen sowohl in Entwicklungs- als auch in entwickelten Ländern werden die Strategien und Instrumente der sozialen Sicherheit vermehrt zu Triebkräften des Wandels, anstatt dass sie nur reagierend dem Bevölkerungswandel folgen“, erklärte Konkolewsky.

Der demografische Druck ist in den vergangenen zehn Jahren beträchtlich gestiegen. IVSS-Untersuchungen zeigen, wie stark sich der Bevölkerungswandel auf die Systeme der sozialen Sicherheit weltweit ausgewirkt hat. Die IVSS hat deshalb gemeinsam mit den Institutionen der sozialen Sicherheit innovative und praktische Lösungen für diese Herausforderungen erarbeitet und publik gemacht.

 

Zehn Jahre danach: Was hat sich seit Madrid verändert?

Die UN-Weltversammlung zu Fragen des Alterns 2002 in Madrid verwies auf die zentrale Bedeutung der Bevölkerungsalterung in den Gesellschaften der kommenden Jahrzehnte. Im Anschluss an die Versammlung veröffentlichte die IVSS einen Bericht mit dem Titel Systeme der sozialen Sicherheit und die Alterung der Bevölkerung: Zehn zentrale Fragen , ein Beitrag zur Umsetzung des Madrider Internationalen Aktionsplans zur Frage des Alterns.

Der Bericht beleuchtete zehn zentrale Fragen, welche Entscheidungsträger berücksichtigen sollten, und widmete sich eingehend der Sorge um die Tragfähigkeit der Systeme der sozialen Sicherheit angesichts dieser Herausforderungen. In dem Bericht ging es aber auch um die Bedeutung der Systeme der sozialen Sicherheit als Faktoren des gesellschaftlichen Zusammenhalts und als Mittel zur Erreichung weiterer Ziele der Sozialpolitik wie etwa die Umkehr des Trends zur Frühverrentung und die Verringerung der Beschäftigungsunsicherheit.

Der IVSS-Bericht analysierte die Rolle staatlicher und privater Vorsorge bei der Bereitstellung eines angemessenen Einkommens für ältere Menschen sowie die Verflechtung der beiden. Davon ausgehend wurde untersucht, wie die Risiken, die Rentenleistungen anhaften, verringert werden könnten – ein hochaktuelles Thema angesichts der jüngsten Volatilität der Märkte und der Auswirkungen auf die Bereitstellung privat finanzierter Renten. Der Bericht identifizierte als entscheidende Faktoren die Kosten der Gesundheitsversorgung und der Langzeitpflege. In zahlreichen Ländern sind die Gesundheitskosten seit der Veröffentlichung des Berichts um 50 Prozent gestiegen.

 
Bereitstellung sozialer Sicherheit für die Welt von morgen

Fast zehn Jahre später sind viele dieser Themen noch immer von hoher Aktualität. Zum immer komplexer werdenden Bild des demografischen Wandels gehören die Alterung der Bevölkerung sowie Veränderungen der Familienstrukturen, wachsende Migrationsströme und Verstädterung, allesamt große Herausforderungen für die soziale Sicherheit.

Die IVSS ist allgemein bestrebt, vermehrt ganzheitliche Ansätze mit einzubeziehen, die Alterung im Kontext des allgemeineren Bevölkerungswandels zu sehen und als entscheidende Maßnahme auf die Prävention zu setzen, um die Auswirkungen auf die Systeme der sozialen Sicherheit weiter einzudämmen.

In einem für das Weltforum für soziale Sicherheit 2010 verfassten Bericht führte die IVSS zehn mögliche Reaktionen auf die Auswirkungen des Bevölkerungswandels an, einschließlich einer Reihe proaktiver Maßnahmen. Gemäß diesem Bericht sollte die soziale Sicherheit in den Bereichen Schutz, Prävention und Öffentlichkeitsarbeit eine stärkere Rolle spielen. Ein wichtiger Punkt war auch die Sicherung der Tragfähigkeit von Rentensystemen. Die Gesellschaften hätten wichtige Entscheidungen zu treffen hinsichtlich der Aufteilung der Ressourcen auf die verschiedenen Generationen. Es seien Maßnahmen nötig, um ausreichende Finanzierungsniveaus sicherzustellen, sowie Maßnahmen zur Sicherung der Leistungsbereitstellung. Durch die Vielzahl der Maßnahmen und den proaktiven Ansatz, der auch vor einer Änderung von Sicht- und Verhaltensweisen nicht zurückschrecke, seien Verbesserungen auf allen Ebenen möglich.

Demografische Trends sind mit Unsicherheiten behaftet, und so werden die Strategien und Instrumente der sozialen Sicherheit, wenn sie die Zukunft besser bewältigen wollen, verstärkt auch die Rolle von Triebkräften des Wandels übernehmen müssen und nicht nur auf Veränderungen reagieren können. Diese Herausforderungen sollten für die soziale Sicherheit jedoch nicht als Belastungen gesehen werden; sie bieten auch eine Chance für die soziale Sicherheit, ihre Effizienz und ihre Wirksamkeit unter Beweis zu stellen. Die IVSS arbeitet dabei eng mit den Organisationen der sozialen Sicherheit zusammen, um für die Welt von morgen gerüstet zu sein.

 

WEITERE INFORMATIONEN

 

Internationaler Tag der älteren Menschen der Vereinten Nationen >>

UN Department of Economic and Social Affairs (DESA) International Day of Older Persons >>

IVSS-Thema: Demografischer Wandel >>

IVSS-Publikation: Demografische Veränderungen und soziale Sicherheit: Herausforderungen und Chancen >>

IVSS-Publikation: Systeme der sozialen Sicherheit und die Alterung der Bevölkerung: Zehn zentrale Fragen >>


Region: International
Type: Feature
Themen: Alter / Hinterbliebene

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