Sinkende Geburtenraten und weiterbestehende Hindernisse für die Erwerbstätigkeit von Frauen in vielen Ländern machen deutlich, dass die Familienpolitiken ihren Schwerpunkt von Geldleistungen auf andere Formen der Unterstützung von Familien verlagern müssen, z.B. auf die Kinderbetreuung. Die CNAF hat die Kinderbetreuung zu einer Priorität ihrer Politik erklärt. Sie hat Finanzierungsmodalitäten für Betreuungsstrukturen entwickelt, die unter Mitwirkung der lokalen und regionalen Behörden die Ausweitung des nationalen Betreuungsnetzes ermöglicht, das von vielen als Modell angesehen wird.
Die CNAF bietet eine Reihe von Dienstleistungen an, welche die Familien besser über ihre Rechte informieren, die Suche nach einer Betreuungsform erleichtern und damit die Wahlfreiheit vergrössern sollen. Die im März 2009 lancierte Website mon-enfant.frstellt den Familien rund um die Uhr unabhängig vom Wohn- oder Arbeitsort individuelle Informationen zur Verfügung. Sie umfasst Angaben zu über 10 000 Kleinkinderbetreuungseinrichtungen, zu fast 2 500 Vermittlungsstellen für Betreuungseinrichtungen und zu Hunderten von Eltern-Kind-Einrichtungen. Dutzende von Verwaltungen, Vereinigungen und Netzwerken haben gemeinsam zur Errichtung der Website beigetragen und stellen laufend aktuelle Informationen zur Verfügung.
Die Kontaktadressen der Betreuungshilfen werden auf der Website aufgeführt. Außerdem ist ein Kostensimulator für die Tagesstätten verfügbar. Die Website enthält regelmäßig aktualisierte Informationen über die Zahl der verfügbaren Plätze. Damit verfügen die Familien über eine Entscheidungshilfe, dank der sie die für ihre Situation und die lokalen Rahmenbedingungen beste Wahl treffen können. Die Website wird laufend auf den neuesten Stand gebracht, um das Angebot für die Eltern zu verbessern.
Zusätzlich soll die neue Informationsplattform dazu beitragen, die Arbeit für der Büros für Familienzulagen zu erleichtern, da die Nutzer die Informationen online finden können anstatt die CNAF-Büros persönlich oder telefonisch zu kontaktieren. Zu guter Letzt ermöglicht diese nationale Informations-Website große Kosteneinsparungen, da die lokalen Behörden keine eigenen Informationssysteme für die Kinderbetreuung mehr entwickeln müssen.
Innovativer Ansatz
Die Website mon-enfant.fr ist ein besonders innovatives und für die verschiedenen Partner der Kinderbetreuungspolitik nützliches Instrument (lokale und regionale Behörden und Räte, Vereine, Unternehmen und andere Institutionen der sozialen Sicherheit). Sie entspricht den Bedürfnissen der im Kleinkinderbereich Tätigen, indem für die Ausübung ihres Berufs nützliche und umfassende Informationen bereitgestellt werden. Zudem verbessert sie die Dienstleistungen der Landeskasse für Familienzulagen. www.mon-enfant.fr entspricht den Bedürfnissen der Familien, die Familien- und Berufsleben miteinander vereinbaren möchten. Vor der Errichtung der Website mussten Eltern zahlreiche Quellen konsultieren, um die für ihre Entscheidung notwendigen Informationen zu erhalten.
Schlüsselfaktoren für den Erfolg
Ein wichtiges Element für den Erfolg dieser einzigartigen Website bestand darin, dass eine Reihe verschiedener Partner auf nationaler und lokaler Ebene einbezogen wurden, welche zur Gestaltung und Umsetzung dieses umfassenden Projekts beigetragen haben. Die Erfahrung der CNAF unterstreicht die Bedeutung von Partnerschaften, insbesondere auf lokaler Ebene, für den Erfolg von Projekten.
Ein weiterer wichtiger Faktor war, dass die Umsetzung auf einer soliden gesetzlichen Basis beruhte und die Datenerfassung mit einem genauen und sicheren Verfahren entsprechend der strikten französischen Gesetzgebung zum Schutz der Privatsphäre erfolgte. Acht lokale Nutzergruppen wurden beauftragt, die verfügbaren Funktionen zu testen und die nötigen Anpassungen und Weiterentwicklungen vornehmen zu lassen.
Feedback
Den Medienberichten zufolge sind die Nutzer gesamthaft mit der Website zufrieden. Diese zählt nun monatlich über 100 000 BesucherInnen. Nach der Lancierung einer neuen Version im Juni 2010 und mit neuen Funktionen in den kommenden Monaten dürfte die Zahl der Besucher weiter steigen.
Aufgrund der Reaktionen von Nutzern wurden für die Bereitsteller von Informationen nun detailliertere Statistiken zugänglich gemacht, um bei der gezielten Auswahl der Daten zu helfen, die vor allem auf lokaler und regionaler Ebene zusammengetragen werden. Zudem sollen lokale und innovative Kinderbetreuungslösungen auf der Website besonders hervorgehoben werden.
Die Verantwortlichen der CNAF sind sich bewusst, dass grosse Herausforderungen bestehen bleiben. Frankreichs relativ hohe Geburtenrate (800 000 Geburten jährlich) trifft auf die bevorstehende Pensionierung eines großen Teils der im Kleinkinderbereich tätigen Berufsangehörigen bis 2015. Die Website erweitert deshalb die Informationen für künftige im Kleinkinderbereich tätige Berufsangehörige, da dies ein Bereich mit einem großen Potenzial für die Schaffung von Arbeitsplätzen ist.
Die Bedeutung von Beispielen für gute Praxis
Auch wenn erhebliche Unterschiede bezüglich der nationalen Rahmenbedingungen bestehen und die Triebkräfte hinter Entscheidungen über die Systemgestaltung unterschiedlicher und komplexer Natur sein können, bietet der Informationsaustausch zu Beispielen für „gute Praxis“ zumindest Gelegenheit, spezifische Lösungen für gemeinsame Probleme kennenzulernen.
Das Sammeln und die Verbreitung von Beispielen für gute Praxis erlaubt es den Akteuren der sozialen Sicherheit, eine Kultur des Informationsaustausches über funktionstüchtige Ansätze aufzubauen und, was ebenso wichtig ist, Erkenntnisse über das „Wie, warum und unter welchen Umständen“ zu verbreiten. Aufgrund ihrer je eigenen Verhältnisse bleibt es jedoch den nationalen Behörden überlassen, zu entscheiden, was man aus solchen Beispielen lernen kann und wie dies letztlich politische Gestaltungs- und Umsetzungsentscheidungen sowie das Erbringen von Leistungen des Systems beeinflusst.
Indem IVSS-Mitgliedsorganisationen vermehrt Zugang zum Wissen und Erfahrungsschatz der anderen erhalten, können sie jedenfalls leichter fundierte Entscheidungen treffen, die ihren eigenen Rahmenbedingungen gerecht werden.
(1) Broschüre: Der IVSS-Preis für gute Praxis – Europa 2010: Wettbewerbsergebnisse >>
IVSS-Datenbank: Gute Praxis in der sozialen Sicherheit
Für die IVSS ist eine gute Praxis jegliche Form von Erfahrungen (z.B. Maßnahmen, Handlungen, Verfahren, Programme, Projekte oder Technologien), die eine Organisation der sozialen Sicherheit umgesetzt hat, um eine Verbesserung ihrer administrativen und operationellen Kapazitäten und/oder die effiziente und effektive Umsetzung ihrer Programme zu fördern. Im November 2008 lancierte die IVSS eine neue Datenbank für gute Praxis in der sozialen Sicherheit. Damit soll eine einzigartige Informationsquelle für Entwicklungen in der Praxis der sozialen Sicherheit geboten werden. Die Datenbank enthält bereits über 100 Beispiele für gute Praxis.